Zwischen Nachhaltigkeit und Geschwindigkeit

Foto: Tonya Schulz

Zweites Fahrzeugtechnisches Kolloquium Formula Student in der Modellstadt

 

Seit Jahre gibt es weltweit den Rennwagenwettbewerb unter Studenten, genannt „Formula Student“, der in Deutschland vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) veranstaltet wird. Dabei gibt es inzwischen drei Entwicklungsrichtungen: Verbrennungsmotor, Elektroantrieb und fahrerloses Fahren. Die Studenten entwickeln dabei ein fahrtaugliches Fahrzeug mit allen erforderlichen Aggregaten und Komponenten und sorgen darüber hinaus für die Generierung der finanziellen Mittel und das Marketing parallel zum Studium.

 

Der Förderverein M-E-NES e.V. veranstaltete zusammen mit dem Informationskreis der Wirtschaft Rhön IDW und der Firma Jopp am 4. und 5. Mai 2017 zum zweiten Mal das in Deutschland einmalige „Fahrzeugtechnische Kolloquium Formula Student“, heuer teils in der Stadthalle, teils im alten Amtshaus im Vorfeld der Fahrzeugschau Elektromobilität zusammen mit dem Projektmanagement Elektromobilität Bad Neustadt.

 

Dr. Hubert P. Büchs, Vorsitzender des Fördervereins, konnte zur Eröffnung 60 Zuhörer und Referenten begrüßen und zeigte sich erfreut, dass die diesjährige Schirmherrin der Fahrzeugschau Elektromobilität in Bad Neustadt, Dorothee Bär, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, zur Eröffnung des Kolloquiums die Position des Ministeriums darstellte.

 

Sie stellte klar heraus, dass der Staat bereits rund 4,7 Milliarden Euro in den letzten Jahren für Forschungs-, Demonstrations- und Beschaffungsprojekte ausgegeben habe und dabei sowohl batterieelektrische wie Brennstoffzellen-Fahrzeuge gefördert worden seien. Sie wies darauf hin, dass ein engmaschiges Ladenetz mit ca. 15.000 Ladestationen geschaffen werden müsse, von denen bereits ca. 6.000 vorhanden seien. Die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge und die Aufrüstung des Fuhrparks mit Elektrofahrzeugen sollen dazu beitragen, dass der Fahrzeugbestand in Deutschland wächst. Formula Student Projekte würden dabei eine Brücke zwischen nachhaltiger Mobilität und Geschwindigkeitsrausch bilden.

 

Die 2. Bürgermeisterin der Stadt Bad Neustadt, Rita Rösch, forderte in ihrem Grußwort zu Eröffnung mehr staatliche Mittel für Forschung und Entwicklung für den Bereich nachhaltiger Technologien.

 

In seinem Eingangsreferat ging der Moderator des Kolloquiums, Prof. Dr.-Ing. Rolf Schlachter von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, auf die Diesel-Problematik beim Verbrennungsmotor ein und zeigte auf, dass der Stickoxidausstoß sich in den vergangenen Jahren um 80% reduziert habe und verglich die öffentliche Diskussion darüber mit einer „Kakophonie, die nicht zielführend ist“. Der Diesel habe auch in Zukunft seinen Platz und auch die Elektromobilität.

 

Die Zuhörer und Referenten des Kolloquiums, das „Mainfranken Racing Team“ der Hochschule Schweinfurt, das „Hercules Racing Team“ der Uni Kassel, „Strom + Söhne e.V.“ der Hochschule Nürnberg, das „Elefant Racing Team“ der Uni Bayreuth, das „Team Starkraft + Electric“ der TU Ilmenau und „HofSpannung Motorsport e.V.“ der Hochschule Hof absolvierten technisch anspruchsvolle und interessante Vorträge. Unter den interessierten Zuhörern waren auch der Leiter des Technologietransferzentrums Elektromobilität TTZ, Prof. Dr. Ansgar Ackva, und zahlreiche Teilnehmer der Technikerschule der Berufsschule Bad Neustadt.

 

Die Studenten berichteten über ihre neuesten Entwicklungen aus dem Fahrzeugbau für Formula-Student-Rennautos, über Aerodynamik und Design, Fahrzeugsimulation, Datengenerierung und –auswertung, Sicherheitskonzepte für Hard- und Software in Entwicklung, Fahrzeugbau und auf der Rennstrecke. Besonders wichtig dabei der Umgang mit hohen Spannung und Strömen bei der Batterie und im Antriebsstrang.

 

Das TTZ stellte die heterogene Landschaft der Ladetechnik für Elektrofahrzeuge sowie die eigenentwickelte bidirektionale Ladetechnik vor. Weitere Berichte stellten innovative Ansätze zum eigenentwickelten Elektromotor und Batterien in den Mittelpunkt.

 

Am Ende konnte der Moderator Dr. Schlachter für sich und die Zuhörer ein sehr positives Resümee der Veranstaltung ziehen, so dass es wahrscheinlich eine dritte Auflage des Fahrzeugtechnischen Kolloquiums im nächsten Jahr geben wird. Bereits am Vorabend hatte im Alten Amtshaus ein Treffen der Teilnehmer am Kolloquium stattgefunden, bei dem viel Zeit für die Studenten vorhanden war, eigene Erfahrungen mit den anderen Teams auszutauschen. Den Auftakt hatte ein Referat des Gruppenleiters Forschungsprojekte der BMZ-Group aus Karlstein am Main gebildet. BMZ ist Deutschlands größter Hersteller von Batterien. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

 

Quelle: Rhön- und Saalepost

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