05.08.2015 |Ab 2017: Ein Elektrobus für Bad Neustadt

Foto: Hubert Herbert

Als im April bei der E-Mobilitätsmesse in Bad Neustadt für zwei Tage lang ein Elektrobus die Nessi-Linie 2 bediente, waren davon die Passagiere ebenso wie die Fahrer des Busses begeistert. Er war leise, er war bequem und er hielt einen ganzen Tag durch. Jetzt hat der Werkausschuss die Weichen dafür gestellt, dass ab 2017 ein Elektrobus im Echtbetrieb für die Stadtbuslinie fährt. 2017 wird nämlich die Konzession für den Betrieb der Stadtbuslinie Nessi neu vergeben.

 

Mit einem Elektrobus im Echtbetrieb würde Bad Neustadt eine Vorreiterrolle in der E-Mobilität übernehmen, so Andreas Schlagmüller, der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke. Denn bisher würden Elektrobusse fast nur in großen Verkehrsbetrieben eingesetzt – und oft erst einmal nur zur Probe.

 

Klar ist, der Betrieb eines Elektrobusses wird deutlich teurer als der eines normalen Dieselbusses. Verkehrsprojektberater Michael Griensteidl aus München, machte für die Mitglieder des Werkausschusses eine Vergleichsrechnung auf. Demnach ist ein E-Bus in der Anschaffung doppelt so teuer wie ein Dieselbus. Das bedeutet Mehrkosten von rund 268 000 Euro.

 

Rechnet man über einen Zeitraum von zehn Jahren alle Zusatzkosten zusammen und kalkuliert die niedrigeren Energiekosten des E-Busses ein, dann ergeben sich nach Griensteidls Berechnungen gegenüber einem Diesel pro Jahr Mehrkosten von 35 441 Euro.

 

Kurzfristig hat sich dann aber noch eine neue Fördermöglichkeit des Bundes für den Einsatz eines E-Busses ergeben. Wie Schlagmüller erläuterte unterstützt der Bund damit die Anschaffung des Busses und der Ladestation mit 40 Prozent. Dann, so Griensteidl, lägen die Mehrkosten gegenüber einem Diesel nur noch bei rund 23 000 Euro pro Jahr.

 

Bleiben noch die zusätzlichen Risiken, so Griensteidl. Dazu zählt er unter anderem die nicht einschätzbare Batterielebensdauer, auch wenn eine Batteriegarantie einkalkuliert sei. Außerdem bestehe das Risiko einer erhöhten Zahl von Ausfällen, oder ob die Reichweite ausreicht, wenn im Winter Licht und Heizung dazukommen.

 

Auch wenn die deutlich höheren Kosten die Mandatsträger zunächst einmal zusammenzucken ließen und die Risiken diskutiert wurden, am Ende sprachen sich doch alle dafür aus, dass Bad Neustadt das Projekt Elektrobus in Angriff nehmen soll. Natürlich sei das ein Wagnis sagte Bürgermeister Bruno Altrichter, „aber wir sollten uns dazu bekennen“. „Das würde uns gut stehen“, pflichtete Janis Heller bei. Gerald Pittner sah im Einsatz eines Elektrobusses die Möglichkeit, zu zeigen, dass man sich auf dem flachen Land nicht anhängen lässt. „Wir könnten mal voran gehen“, sagte er. Bei einer solchen Investition in die Zukunft sei das Defizit gegenüber dem Dieselbus verkraftbar.

 

Offen blieb die Vorgehensweise – ob eine Ausschreibung erfolgen soll, in der Angebote für Diesel- und Elektrobus eingeholt werden, oder ob vielleicht die Stadt sogar selber den Bus anschafft. Jetzt wird ausgelotet, welche die beste Möglichkeit ist.

 

 

Quelle: Mainpost, Hubert Herbert