19.11.2014 |Autobatteriestrom für Maschinen

Jopp Automotive erforscht im Bereich Elektromobilität das bidirektionale Laden von Elektroautos

Jetzt bekommt die Modellstadt für Elektromobilität doch noch ihren Flottenversuch. Elektroautos gibt es hierbei allerdings nur fünf an der Zahl – und diese sind schon an Mitarbeiter der Jopp Automotive GmbH vergeben. Das Unternehmen will gemeinsam mit dem Technologietransferzentrum (TTZ) das bidirektionale Laden von Autobatterien erforschen. Es ist dies der erste Modellversuch seiner Art in Europa.

 

Die Frage, ob sich Elektroautos als Stromspeicher nutzen lassen, um Stromspitzen in Industrieunternehmen auszugleichen, ist eine der Kernfragen des Zukunftsmarktes Elektromobilität. Zwar gibt es theoretische Abhandlungen zuhauf über dieses Thema. Praktisch, so versichert Hubert P. Büchs, wird dies aber noch in keinem einzigen Unternehmen in Europa erforscht. Mit einer Ausnahme: Bei der Firma Jopp deren Geschäftsführer Büchs ist. Fünf Mitsubishi i-Miev werden ab sofort von Jopp-Mitarbeitern für den Weg zur Arbeitsstelle genutzt.

 

Auf den eigens für die Elektroautos angelegten Parkplätzen und mit den eigens für die Fahrzeuge angeschafften bidirektionalen Ladestation werden die Batterien sowohl aufgeladen wie auch entladen. Wenn in der Produktion bei Jopp die Maschinen laufen und nicht so viel Strom verbraucht wird, dann wird die Batterie des Autos geladen. Ziehen die Maschinen zum Beispiel beim Hochfahren richtig viel Strom, so dient die Reserve im Elektroauto als unterstützender Speicher, um diese (kostenintensiven) Stromspitzen niedriger zu halten.

 

Das Projekt „Bidirektionales Laden“ ist eines der Forschungsprojekte der Modellstadt Elektromobilität. Nicht nur die Firma Jopp forscht für sich selbst in diesem Bereich, auch das TTZ mit Professor Dr. Ansgar Ackva und seinen Mitarbeitern sowie eine Handvoll weiterer Lehrstühle und auch das Überlandwerk Rhön warten schon sehnsüchtig auf Ergebnisse dieses Projekts. „Wir haben das erste Projekt dieser Art in Deutschland und Europa“, sagte Hubert P. Büchs bei der offiziellen Übergabe der Fahrzeuge an die Mitarbeiter. „In Japan hat man das schon mal ausprobiert“, so Büchs. Deshalb war der japanische Automobilhersteller Mitsubishi wohl auch bereit, fünf Fahrzeuge für das Projekt zur Verfügung zu stellen (bezahlt wurden sie aber von der Firma Jopp). „Deutsche Hersteller wollten uns (noch) keine Elektroautos hierfür zur Verfügung stellen“, sagte Büchs. Die entsprechend ausgelegte Ladebox hat das TTZ entwickelt und auch gebaut. „Es gibt für diese Art der Ladebox bereits eine große Nachfrage, aber noch keinen Hersteller, der sie in Serie fertigt“, sagte Ansgar Ackva.

 

Einer der Mitarbeiter, die ab sofort mit einem Elektroauto „zum Jopp“ fahren, ist der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Voll. „Ich hatte erst Bedenken, ob die Fahrt nach Hause klappt“, sagte Voll, der in Langenleiten wohnt und ziemlich steil bergauf fahren muss. Mit dem i-Miev aus dem Mitsubishi-Autohaus Steinmüller jedoch kein Problem. Voll und die anderen vier Mitarbeiter bekommen das Auto von der Jopp GmbH zur Verfügung gestellt und müssen dafür auch einen monatlichen Betrag an ihren Arbeitgeber leisten. Service und natürlich Strom sind aber im Gesamtpaket enthalten.

 

Ob die Stromspitzen in der Produktion bei Jopp durch den Einsatz der Autos und ihrer Batterien durch das bidirektionale Laden tatsächlich abgefedert werden können und in welchem Maße, darüber wollte weder Büchs noch Ackva eine Mutmaßung anstellen. Es geht ja hierbei auch um ein Pilotforschungsprojekt. Einen wirtschaftlichen Nutzen sieht Hubert P. Büchs für sein Unternehmen nur bedingt. Eine prognostizierte Ersparnis von 20.000 Euro Stromkosten über die Projektdauer von fünf Jahren steht einer Investition im sechsstelligen Bereich gegenüber. „Wir wollen aber trotzdem die Elektromobilität nach vorne bringen“, sagt Büchs. Es braucht eben neben Geld auch viel Herzblut für ein solches Projekt. Die Förderung durch das Wirtschaftsministerium (lediglich für die Abschreibung der fünf Autos) fließt nur bis Ende 2015 in das Projekt. Angedacht ist von der Firma Jopp jedoch mindestens eine fünfjährige Projektphase.

 

Wenn nun alle Halbjahre Zwischenberichte von dem Projekt erstellt werden, ist mit der Forschung im Bereich der Elektromobilität bei Jopp aber noch nicht Schluss. Auch das induktive Laden von Autobatterien, also ohne Kabel, steht noch auf der Projektwunschliste des Unternehmens.

 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer