09.12.2015 / Damit der Akku schneller voll ist

Elektroautos sind leise, gut im Anzug und sie blasen keine Schadstoffe in die Luft. Sie haben aber den großen Nachteil, dass es beim Aufladen des Akkus nicht mit ein paar Minuten getan ist. An der heimischen Steckdose dauert es Stunden, bis der wieder voll ist. Ladesäulen sind schneller, Schnellladesäulen sogar besonders schnell. Doch davon gibt es in einem Umkreis von 70 bis 80 Kilometern um Bad Neustadt gerade einmal eine einzige, wie Jörg Geier von der Stabsstelle für Wirtschaft im Kreisausschuss erläuterte.

 

Sie steht in Bad Neustadt beim Autohaus Vorndran, hat allerdings auch nicht mehr die allerneueste Technik, so Geier. Mittlerweile seien mit Gleichstromtechnik Ladeleistungen über 50 Kilowatt möglich – und damit extrem kurze Ladezeiten. Für einen BMW i3 reichen dann rund 15 Minuten für 80 Prozent Akku-Kapazität.

 

Als Modellstadt und Modellregion für E-Mobilität wollen die Stadt Bad Neustadt und der Landkreis da nicht hinten anstehen und dabei sein beim Projekt SLAM, mit dem bis Mitte 2017 rund 600 dieser Schnellladestationen entlang von Verkehrsachsen und in Metropolen aufgestellt werden sollen – gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium. Dazu kommen noch 400 Schnellladestationen an Autobahnraststätten, voraussichtlich auch eine an der Raststätte Mellrichstädter Höhe.

 

Der Kreisausschuss stimmte deshalb zu, sich im kommenden Jahr mit 15 000 Euro am Bau einer solchen Gleichstrom-Schnellladestation in Bad Neustadt zu beteiligen. Das Gremium folgte damit der Argumentation von Landrat Thomas Habermann, dass die öffentliche Hand vorangehen sollte. Wenn dann auch noch private Unternehmen mitmachen würden, dann käme da schon ein ordentliches Netz zusammen, ist sich Habermann sicher.

 

Während sich die Bürgermeister von Mellrichstadt und Bad Königshofen, Eberhard Streit und Thomas Helbling, an einer solchen Ladesäule auch für ihre Stadt interessiert zeigten, hatte Hartmut Rausch Bedenken. Bei hohen Ladeleistungen von 50 Kilowatt oder mehr befürchtet er Stromspitzen – vielleicht gerade dann, wenn kein Ökostrom zur Verfügung stehe. Eine Befürchtung, die Habermann durchaus nachvollziehen kann. Vielleicht könne man darauf mit unterschiedlichen Strompreisen zu verschiedenen Zeiten reagieren und so die Stromabnahme steuern.

 

Für ihn ist auf jeden Fall wichtig, dass die Ladezeiten kürzer werden. „Dann kann man sein Auto aufladen, während man etwas in der Stadt zu erledigen hat.“ Aber er fügte auch an, dass man nicht zu viele Ladesäulen aufstellt, denn der technische Fortschritt gehe ja weiter, heutige Top-Technik könne bald schon überholt sein. Und Jörg Geier erklärte, dass auf Dauer eh nicht die Kommunen für die Lade-Infrastruktur zu sorgen hätten. „Das sollte der Markt machen.“ Erst einmal eine Station in Bad Neustadt, das sei in Ordnung.

 

 

Quelle: Mainpost, Hubert Herbert