05.08.2016 / Der Erfolg macht aufmerksam

SPD-Landtagsabgeordnete im TTZ und bei Vertretern der Flüchtlingsarbeit

Foto: Tonya Schulz

Der Erfolg des Technologietransferzentrums (TTZ) lässt sich nicht nur daran ablesen, dass die Staatsregierung die Finanzierung der Einrichtung über den Ablauf des Modellprojekts hinaus fördern will, sondern auch daran, dass sich Politiker aller Couleur dort die Klinke in die Hand geben. Jetzt weilten die beiden Landtagsabgeordneten Kathi Petersen und Georg Rosenthal am TTZ, was zumindest für den Würzburger nicht ungewöhnlich ist, da er als Mitglied des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst häufig genug mit dem Thema Elektromobilität in Berührung kommt.

Bürgermeister Bruno Altrichter und Projektmanager Jörg Geier stellten dem Gast die Geschichte der Einrichtung und der Modellstadt für Elektromobilität vor. Geier verwies dabei darauf, dass die Bad Neustädter Industriebetriebe sich auf das Thema eingelassen und inzwischen Produktionsteile auf Elektromobilität umgestellt haben So beliefern die hiesigen Automobilzulieferer auf verschiedene Weise die große Hersteller mit Komponenten für Elektroautos. Darüber hinaus betreibt die Post in einem Modellversuch erstmals eine Flotte von Elektrofahrzeugen, die in Bad Neustadt für die Zwecke der Zusteller umgerüstet wurden.

Als Vertreter von Institutsleiter Ansgar Ackva machte Markus Schäfer mit der Arbeit an der Einrichtung vertraut. An den drei Standorten Würzburg, Schweinfurt und Bad Neustadt seien inzwischen 40 Personen beschäftigt. Er berichtete, dass die Zusammenarbeit mit Firmen weit über die Region hinausgeht und die Forschung mit einem Doktoranden aus Spanien längst die Grenzen der Bundesrepublik überschritten hat.

Da die Firmen teilweise eng mit dem TTZ kooperieren und schon über 200 Arbeitsplätze in der Wirtschaft entstanden seien, wäre es ein großer Verlust, wenn die Regierung nicht in die Lücke zur weiteren Finanzierung der laufenden Kosten eingesprungen wäre. Rosenthal räumte ein, dass die längerfristige Finanzierung tatsächlich nicht selbstverständlich gewesen und allerhand Überzeugungsarbeit notwendig gewesen sei.

In puncto Finanzierung von Projekte empfahl Rosenthal, sich auch an die Bayerische Forschungsstiftung zu wenden, in der er Mitglied sei. Schäfer machte darauf aufmerksam, dass vor allem kleinere Unternehmen nicht in der Lage seien, die äußerst aufwendigen Genehmigungsverfahren zu durchlaufen.

Was die Modellstadt angeht, konnte Rosenthal das beste Zeugnis ausstellen. „Ihr seid den anderen um Lichtjahre voraus, andere haben nur heiße Luft mit Sahne produziert.“ Und er werde sein Gewicht im Ausschuss weiterhin für Bad Neustadt in die Waagschale werfen.

Auch in einem weiteren Themenkreis will Rosenthal seinen Einfluss ausschöpfen. Denn der Würzburger Abgeordnete ist auch Mitglied der bayerischen Enquetekommission zur Flüchtlingsintegration, und dieser Funktion hörte er sich bei seiner zweiten Station die Sorgen von Verantwortlichen in der Asylbetreuung an.

SPD-Kreisvorsitzender René van Eckert hatte dazu Vertreter von Organisation eingeladen, die an der Basis arbeiten. Felicitas Hein vom Diakonischen Werk machte auf die mangelnde Mobilität der Flüchtlinge aufmerksam. Grundsätzlich sei die Unterbringung in den Dörfern zu begrüßen, doch für die Betroffenen bedeute sie mangelnde Beweglichkeit. Einerseits seien öffentliche Verkehrsmittel zu teuer und die Frequenz zu niedrig. Ehrenamtlichen sei auf Dauer ein Fahrdienst nicht zumutbar, der auch nicht bezahlt wird. „Selbst wenn sie wollen, Flüchtlinge kommen gar nicht zu Sprachkursen.“

Außerdem bedauerten die Teilnehmer, dass es immer schwieriger werde, Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Darüber hinaus gebe es so gut wie keine Betreuung Minderjähriger und traumatisierter Kinder. Lehrer seien in den Regelschulen völlig überfordert, solche Zustände zu erkennen, geschweige denn, sich damit auseinanderzusetzen.

Rosenthal versicherte, dass die Punkte in der Enquetekommission angesprochen werden. Teilweise betreffen die Themen jedoch Zuständigkeiten des Bundes, auf jeden Fall müssen die Kommunen stärker in Flüchtlingsfragen unterstützt werden.

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Eckhard Heise