29.01.2016 / „Der ist so schön leise!“

Zum zweiten Mal testen die Stadtwerke einen Elektrobus auf der Nessi-Linie 2

Foto: Stefan Kritzer

Die geringe Lautstärke ist das beste am Elektrobus“, sagte Fahrerin Beate Hofmann. Sie hat keine Probleme damit, den Testbus der Firma Ebusco durch die vielen städtischen Kurven und hinauf zum Rhön-Klinikum zu lenken. Beate Hofmann ist begeistert, genauso wie viele Fahrgäste auch. „Für die Bergauffahrten dürfte er aber ein wenig mehr Kraft haben“, sagt sie. Kein Problem, bestätigt Michael Jessen von der Herstellerfirma Ebusco. Das neue Modell hat mehr Leistung und kann den Anstieg leichter bewältigen.

 

Der in Bad Neustadt getestete Bus ist ein Vorserienmodell, das aktuelle Modell ist schon wieder einen Forschungsschritt weiter. Jessen listet gerne auf, während Beate Hofmann den Bus elektrisch leise durch das Kurviertel steuert: Im schwedischen Stavanger fahren bereits Elektrobusse von Ebusco. Ebenso in Bremen oder in München, wo die Museumslinie mit elektrischen Bussen der Firma Ebusco ausgestattet ist.

 

Der kaufmännische Leiter der Stadtwerke, Andreas Schlagmüller, prüft derweil die Kennzahlen. Ein 12-Meter-Bus muss es schon sein. Mit 39 Sitzplätzen und insgesamt Platz für 95 Personen. Beim Testbus ist der Lithium-Eisenphosphat-Akku noch im Innern des Busses untergebracht und verhindert durch seine Größe ein Mehr an Sitzplätzen. „Unser aktuelles Modell, das wir ausliefern, hat den Akku aber im Dach“, sagt Michael Jessen. Dann bleibt mehr Platz im Innenraum.

 

Mindestens 250 Kilometer soll der Akku mit einer Ladung drauf haben, ein bisschen weniger, wenn im Winter Klimaanlage und Heizung laufen. Nach der Fahrt muss er für zwei Stunden an die Schnellladestation, damit es weitergehen kann. Andreas Schlagmüller weiß, dass die längste Nessi-Tagesstrecke eben jene Linie 2 ist. Nicht weniger als 236 Kilometer ist der Bus an einem normalen Betriebstag im Einsatz. Ob der künftige Elektrobus auf dieser langen Linie eingesetzt wird, steht aber noch nicht fest. Die anderen Nessi-Linien sind kürzer.

 

Viele Fahrgäste sind nun im Bus, und der Elektromotor muss feste arbeiten, um den steilen Anstieg zum Rhön-Klinikum zu bewältigen. Bei der Fahrt bergab rekuperiert der Elektromotor Energie aus den Bremsen und lädt den Akku wieder ein wenig auf. Die Anzeige in Beate Hofmanns Blickfeld zeigt noch 46 Prozent Ladekapazität. Mehr als genug, um die Testfahrt zu Ende und die Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen.

 

„Ist das ein Elektrobus?“, fragt eine Mitfahrerin. „Der ist so schön leise!“ Michael Jessen freut sich, wenn er solche Kommentare hört und verteilt Prospektmaterial. Nachmittags um 16 Uhr ist der Testbetrieb aber schon vorbei. Der Bus wird auf einen Tieflader gefahren, der ihn nach Bern transportiert. Die Stadt in der Schweiz will den Elektrobus auch mal ausprobieren. Und Andreas Schlagmüller widmet sich wieder den Zahlen und muss entscheiden, welcher Elektrobus es denn nun sein soll.

 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer