08.10.2015 |Der Landkreis soll noch e-mobiler werden

Foto: Stefan Kritzer

Vor fünf Jahren starteten Landkreis und Stadt die Bewerbung als eine der ersten Modellstädte für Elektromobilität in Bayern. Seitdem hat das Zukunftsthema die Region geprägt und ihr unter anderem den Status eines Hochschulstandortes eingebracht.

 

Die erste Reihe der großen Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit der Industrie und Bildungsinstituten geht in diesen Monaten zu Ende. Bei einer Abschlussveranstaltung in den Räumen der Stadtwerke wurden die Ergebnisse präsentiert.

 

Nicht nur die Stadt, auch der Landkreis und die Region darüber hinaus sollten von der ersten Modellstadt Elektromobilität in Bayern profitieren. Das haben Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Bruno Altrichter immer wieder betont. Seit fünf Jahren ist Bad Neustadt Modellstadt, seit gut drei Jahren laufen gesteuert von einem Projektmanagement sowie vom eigens gegründeten Technologietransferzentrum Elektromobilität (TTZ) eine Reihe von Forschungsprojekten – finanziert von Industrie und gefördert vom Wirtschaftsministerium.

 

Insgesamt sind 14 Millionen in die Projekte wie in das TTZ mit der Stiftungsprofessur geflossen. Der dreijährige Förderzeitrahmen läuft in Kürze aus und die Ergebnisse der Forschungen werden präsentiert. Was aber nicht heißen soll, dass Schluss ist in der Modellstadt. Rund um das TTZ und den Förderverein M-E-NES sollen weiterhin eine Fülle von Projekten am Zukunftsthema weiterarbeiten.

 

„Wir hoffen, dass es so weitergeht“, sagte der technische Leiter der Stadtwerke, Ulrich Leber zum Auftakt der Präsentation der Abschlussergebnisse und warf schon mal einen Blick in die Zukunft. In einem neuen Imagefilm kommen die Protagonisten der Modellstadt zu Wort und betonen darin, wie nachhaltig die Forschungen die Stadt in diesen fünf Jahren geprägt haben. Hervorgehoben wird das erfolgreich arbeitende Technologietransferzentrum, in dem mittlerweile knapp 40 Mitarbeiter Hochschulatmosphäre ins Obergeschoß der Jakob-Preh-Schule bringen. Dessen Leiter, Professor Ansgar Ackva, bezeichnete Leber als „Glücksgriff“.

 

Mit Engagement wurde eine Fülle von Projekten an Land gezogen, die von Seiten der Hochschule Würzburg-Schweinfurt wie auch von beteiligten Industrieunternehmen wie Preh, Jopp, FGB Steinbach, Winora oder BMZ die Elektromobilität ein Stück nach vorn gebracht haben.

 

Zum Netzwerk der Modellstadt gehört von Anfang an auch der Bildungssektor. Kurt Haßfurter, Leiter der Jakob-Preh-Schule in deren Räumlichkeiten das TTZ untergebracht ist, brachte es auf den Punkt: „Wir arbeiten daran, den Landkreis noch e-mobiler zu machen“. Unter anderem hat die Berufsschule zu Lehrzwecken einen Fachunterrichtsraum eingerichtet, wo Lehranforderungen in Sachen Elektromotoren wie auch die Simulation von Hybridmotoren oder Smart Grid vermittelt werden.

 

Spektakulär sind die großen Projekte der Industrie: So speist die Firma FGB Steinbach Windstrom in ein Elektroauto ein, die Firma Jopp versucht mit den Speicherkapazitäten ihrer Elektroautos die Stromlastspitzen ihrer Werkstätten abzufedern.

 

Das Batterie Montage Zentrum aus Karlstein (BMZ) hat rund um die Modellstadt 17 Pedelecs an Pendler verteilt und 2741 Fahrten zur Arbeit und nach Hause ausgewertet. Erfreulich ist laut Jürgen Schmitz (BMZ), dass die Alterung der Akkus im Rahmen blieb. Hochgerechnet haben die E-Bike-Akkus nach 500 Ladezyklen, was mehreren tausend Kilometern Wegstrecke entspricht, noch eine Kapazität von deutlich mehr als 80 Prozent. Ein Ergebnis, das Besitzern von E-Bikes eine gewisse Investitionssicherheit vermittelt. Allerdings sind von den 17 getesteten Akkus auch zwei während des Projektes ganz auf der Strecke geblieben.

 

Das Institut für Angewandte Logistik der Hochschule Würzburg-Schweinfurt hat unter anderem die Nutzerakzeptanz von Elektroautos untersucht. Sowohl Firmen- wie Privatautos und Modelle des Carsharings wurden hinterfragt. Fazit: Elektromobilität braucht neue Ideen, was die Verwendung der Fahrzeuge betrifft. Neu gedacht werden müsse auch die eigene Energieversorgung. Über Photovoltaik kann heute schon per Zwischenspeicher das vor der Haustür stehende Elektroauto geladen werden.

 

Selbiges steht, wenn die Sonne nicht scheint, in Zukunft vielleicht nicht nur fürs Fahren, sondern auch für den Betrieb der Waschmaschine zur Verfügung. In Bad Neustadt wird auf jeden Fall an diesen Zukunftsthemen weiter geforscht. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern über die Förderung des TTZ. Rund 700 000 Euro braucht die Forschungseinrichtung, um auf bisherigem Niveau weitermachen zu können. Bislang hat München 200 000 Euro zugesichert. Es gibt also noch Verhandlungsbedarf, dem mit der Präsentation der zahlreichen Ergebnisse Nachdruck verliehen werden soll.

 

 

Quelle: Mainpost, Stefan Kritzer