04.02.2016 / Die Zukunft liegt in der Stadt

Mit vereinten Kräften soll die Elektromobilität weiter vorangetrieben werden

Foto: Stefan Kritzer

Die Kreisstadt hat mit vielen Mitstreitern in der Region das Thema Elektromobilität längst zu einem ihrer Zukunftsthemen auserkoren. Und daran ändert sich auch mit dem offiziellen Abschluss der Projekte nichts. Im Rathaus nahmen sich die Vertreter der Modellstadt gegenüber der Presse Zeit, den Stellenwert des Zukunftsthemas in Bad Neustadt noch einmal besonders hervorzuheben.

 

„Zu sagen, das war's, wäre sträflich“, sagte Bürgermeister Bruno Altrichter beim Pressegespräch im Sitzungssaal des Rathauses. Elektromobil soll es in vielerlei Hinsicht in Bad Neustadt weitergehen. Bei der Fahrzeugschau genauso wie beim Installieren von Schnellladestationen. Bei Forschungsprojekten in der Industrie wie im Technologietransferzentrum. Auf vier wie auf zwei Rädern. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir hier kein Strohfeuer abbrennen wollen“, betonte Altrichter im Beisein zahlreicher Mitstreiter rund um das Thema Elektromobilität.

 

Der stellvertretende Landrat Peter Suckfüll unterstrich die Aktivitäten aus der Industrie, die mit Beginn des Jahres ebenfalls nicht enden werden. „Da sind dauerhafte Strukturen geschaffen worden“, betonte Suckfüll. Projektmanager Dr. Jörg Geier zeigte einen Imagefilm der Modellstadt, in dem der Stellenwert der Elektromobilität für die Kleinstadt besonders betont wird. Darin gibt sich Landrat Thomas Habermann ganz unbescheiden und bemerkt, dass die Zukunft der Elektromobilität ein Stück weit in Bad Neustadt liege.

 

Die gegenwärtige Diskussion um eine Kaufprämie für Elektroautos lässt die Macher der Modellstadt natürlich auch nicht kalt. „Wenn es mal richtig losgeht mit einem Massenprodukt Elektroauto, dann wird auch Bad Neustadt davon profitieren“, ist sich Projektmanager Ulrich Leber sicher.

 

Hervorgehoben wurden natürlich die rund 200 Arbeitsplätze, die in und um Bad Neustadt durch die Modellstadt entstanden sind. Besonders stolz ist die Stadt natürlich auch auf das Technologietransferzentrum Elektromobilität (TTZ-EMO), in dem mittlerweile knapp 40 Wissenschaftler an Fragestellungen rund um elektrische Antriebe in Fahrzeugen arbeiten. „Das TTZ ist ein weltweit führendes Entwicklungszentrum“, sagte dessen Leiter Professor Ansgar Ackva nicht ohne Stolz. Die Leitung des TTZ und damit die Stiftungsprofessur auf Ackva zu übertragen sollte sich als „Glücksgriff für die Modellstadt“ erweisen, betonte Ulrich Leber.

 

In Unternehmen wie Preh (Batteriemanagementsysteme), Jopp (bidirektionales Laden) und FGB Steinbach (Windenergie, Speicher, E-Fahrzeuge) sind Leitprojekte der Modellstadt in enger Zusammenarbeit mit dem TTZ umgesetzt worden und werden auch in Zukunft dort weiter vorangetrieben. Und die Siemens-Elektromotoren aus Bad Neustadt treiben schon Fahrzeuge von Porsche und Volvo an. Entwickelt und gebaut in der Modellstadt Elektromobilität.

 

Welchen Stellenwert dem TTZ auch künftig zukommt, das betonte der Vorsitzende des Förderverein M-E-NES, Dr. Hubert P. Büchs: „Die Industrie vor Ort wird sich besser entwickeln, wenn das TTZ so weiterarbeiten kann.“ Büchs sprach die derzeitigen Verhandlungen um eine Förderung des TTZ an. Mit den 200.000 Euro aus München sei es hierbei nicht getan. „Ein überdurchschnittliches Institut braucht eine überdurchschnittliche Förderung“, meint Jörg Geier.

 

Das TTZ setzt jährlich rund zwei Millionen Euro um; eine Förderung von rund einem Drittel der Kosten halten die Verantwortlichen aus Bad Neustadt für angebracht. Also etwa 700.000 Euro statt der versprochenen 200.000. Bei so erfolgreicher Arbeit in den letzten knapp fünf Jahren. „Das TTZ war ein Experiment in Bad Neustadt und ist eine Erfolgsstory geworden“, sagte Ansgar Ackva. „Im Wirtschaftsministerium gilt das TTZ als Leuchtturmprojekt!“ Und auch in der Jakob-Preh-Berufsschule spielt das Thema Elektromobilität in der Technikerschule eine immer größer werdende Rolle.

 

Die Stadt bleibt derweil nicht stehen in ihren Aktivitäten. Als nächstes Projekt steht die Anschaffung eines Elektrobusses für die Stadtbuslinie Nessi im Fokus. Bei Testfahrten haben sich die rein elektrisch angetriebenen Busse schon bewährt, in Kürze soll der Auftrag vergeben werden. Und auch die nunmehr sechste Fahrzeugschau – immerhin die größte ihrer Art in Deutschland – steht im April an. Hierbei werden nicht nur die vierrädrigen Fahrzeuge im Vordergrund stehen, sondern auch die auf zwei Reifen. Ein großes E-Bike-Treffen wird erstmals bei der Fahrzeugschau für viele Teilnehmer sorgen. Bis zur Fahrzeugschau wollen die Stadtwerke auch die erste Schnellladestation in Bad Neustadt installiert haben. Es gibt noch viel zu tun in Sachen Elektromobilität. Bad Neustadt wird am Ball bleiben.

 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer