06.07.2016 / Freistadt stockt seine Hilfen auf – 800.000 Euro jährlich für das TTZ

Technikschüler der Jakob-Preh-Schule bauen einen Verbrenner in einen Stromer um

Das Ziel ihrer Projektarbeit hatten die elf Schüler der Technikerschule klar umrissen. Innerhalb von zwei Jahren wollten sie ein Auto mit Verbrennungsmotor in ein Elektroauto umbauen. Mit einfach Mitteln und möglichst kostengünstig. Jetzt haben sie zum Abschluss ihrer Schullaufbahn ein fahrbereites Elektroauto vorgestellt. Ganz nebenbei ist so zum ersten Mal überhaupt ein E-Auto in der Modellstadt für Elektromobilität gebaut worden.

 

Weit mehr als 100 Stunden Arbeit hat jeder der elf Technikerschüler an der Jakob-Preh-Schule in das Projekt investiert. Und das Ganze auch noch nebenbei. Doch die Elf wollten es wissen: Kann man ein Auto mit Verbrennungsmotor in ein Elektroauto umbauen? Nach zwei Jahren Planung und Montagearbeit steht für die Schüler fest: Es klappt. Auch wenn das Fahrzeug jetzt noch viele weitere Arbeitsstunden von einer zukünftigen TÜV-Zulassung entfernt ist, der Umbau kann durchaus klappen.

 

Vor Schulleitung, Sponsoren und Vertretern der Modellstadt für Elektromobilität stellten die Schüler der Weiterbildungsmaßnahme zum staatlich geprüften Techniker für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität ihr Projekt im Konferenzzimmer der Berufsschule vor. Erst anschließend ging es vor die Tür, wo das erste Bad Neustädter Elektroauto unter dem Beifall der Beteiligten vorfuhr.

 

Als Basis wählten die Technikschüler einen nicht sehr häufig im Straßenbild zu findenden Ford Puma. Das war durchaus Absicht, denn ein wenig anders als die häufig zu sehenden Serienautos sollte das E-Auto schon sein. Weshalb es zum Abschluss der Arbeiten auch eine Erlkönigfolierung erhielt. Gerade mal 600 Euro investierten die Schüler in das Auto, insgesamt kostete der Elektroumbau (inklusive Auto) nur 5.700 Euro. Das Geld stellten Sponsoren genauso zur Verfügung wie der Förderverein M-E-NES. Was die beiden Projektleiter Florian Riedl und Lukas Hemmert mal so eben in ein paar Minuten Vortrag packten, das dauerte von der Planung bis zur Testfahrt die gesamte Schulzeit der staatlich geprüften Techniker. Zuerst mussten Motor, Getriebe, Vergaser, Tank und alles raus, was ein Verbrenner sehr wohl, ein Stromer aber so gar nicht braucht.

 

Da das Geld in dem Projekt eine wichtige Rolle spielte, wurden günstige E-Bauteile verwendet. Der Elektromotor eines Gabelstaplers zum Beispiel, oder das Heizelement einer Waschmaschine. Die Servolenkung trieben die Schüler auf dem Schrottplatz auf. Den Akku jedoch, den mussten die Schüler kaufen, und deshalb blieb es aus Kostengründen bei einem bewährten, aber nicht mehr ganz zeitgemäßen Blei-Säure-Akku, der im Kofferraum des Ford Platz fand. Eine Stromladung soll für rund 70 Kilometer Reichweite sorgen. Der E-Ford Puma soll bis zu 120 Stundenkilometer schnell sein und binnen elf Stunden über eine herkömmliche Schuko-Steckdose wieder voll geladen werden können.

 

„Der Umbau eines Verbrenners zu einem Stromer ist eigentlich mit wenig Aufwand zu schaffen“, untertrieb Florian Riedl bewusst. Viel wichtiger als der Zeitfaktor sei jedoch die Erkenntnis, dass ein solcher Umbau tatsächlich möglich ist.

 

Schulleiter Kurt Haßfurter zollte dem Projekt viel Respekt: „Auch samstags und sonntags haben die Schüler an dem Auto gearbeitet.“ Was umso erstaunlicher ist, da das Projekt rein freiwillig angelegt war. Für das erste in der Modellstadt für Elektromobilität gefertigte Elektroauto gab es für so viel Engagement der beiden Projektleiter genauso eine Eins ins Zeugnis wie für die weiteren Mitarbeiter Andreas Cienskowsky, Markus Häusler, Lucas Heinkel, Christopher Hilbig, Stefan Hofmann, Rico Holzheimer, Lukas Kihn, Curtis Rundell und Frederik Thomas.

 

Der Vorsitzende des Fördervereins M-E-NES, Dr. Hubert P. Büchs sowie Projektmanager Ulrich Leber warfen nach der Präsentation auf dem Schulhof einen interessierten Blick in das Elektroauto. Das Projekt Umbau Verbrenner zu Stromer ist mit der Präsentation aber noch nicht abgeschlossen. Der nächste Jahrgang an der Jakob-Preh-Technikerschule darf sich mit dem Fahrwerk beschäftigen und dieses auf den Elektroantrieb anpassen. Auch das Thema Rekuperation wäre noch erwähnenswert, sprich, die Stromgewinnung aus der Bremsanlage. Und dann soll das E-Auto irgendwann auch mal richtig straßentauglich sein und eine Zulassung bekommen. Damit Fahrten nicht nur auf dem Schulhof stattfinden müssen.

 

Rhön- und Saalepost: Stefan Kritzer