02.07.2015 |Fahrgemeinschaft oder Elektroauto

Projekt der Modellstadt Elektromobilität befasst sich mit CO2-Minimierung der Stadt

Ein Großteil der Kohlendioxidemissionen in der Kreisstadt resultiert aus dem Autoverkehr. Diese Erkenntnis ist in Bad Neustadt leicht gewonnen, schon allein deshalb, weil Fahrten in die Stadt aus der ländlichen Umgebung meist mit dem Auto erfolgen. Sollen die mit dem Verkehr einhergehenden CO2-Emissionen gesenkt werden, heißt das, weniger Fahrten mit dem Auto zu unternehmen. Im ländlich strukturierten Umfeld in Rhön und Grabfeld funktioniert Verkehr aber nun mal weitestgehend mit dem Auto.

 

Das Projekt „CO2-minimierte Innenstadt“ ist auf Initiative des Instituts für angewandte Logistik (IAL), Würzburg und des Technologietransferzentrums-Elektromobilität (TTZ-Emo), Bad Neustadt entstanden. Die „Konzeption eines integrierten betrieblichen Mobilitätsmanagements“, so der offizielle Titel der Forschungsarbeit, soll Unternehmen Tipps an die Hand geben, wie sie gemeinsam mit Mitarbeitern für weniger klimaschädliche Emissionen sorgen können.

 

Ein Mittel dazu ist es, wie Diplom-Geologin Bettina Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAL, in der Abschlusspräsentation in den Stadtwerken klar stellte, Fahrgemeinschaften zu bilden. Die gemeinsame Fahrt zur Arbeit und wieder nach Hause wird im Umkreis von Bad Neustadt noch viel zu wenig praktiziert. Auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel könnte die CO2-Produktion herunterschrauben, wenn sie denn den Arbeitnehmer auch rechtzeitig zur Arbeit und wieder zurück bringt.

 

Insgesamt 25 Fragen hat Bettina Weber gemeinsam mit Professor Ulrich Müller-Steinfahrt, Institutsleiter des IAL, an 13 Unternehmen in und um Bad Neustadt gerichtet. Auffällig ist, dass lediglich zwei dieser Betriebe die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch ihre Mitarbeiter fördern. Die kostenfreie Nutzung von Parkplätzen findet sich hingegen bei 12 der 13 Unternehmen. Aus einem Fundus von 1.540 ausgefüllten weiteren Fragebogen an Arbeitnehmer hat Bettina Weber herausgefunden, woran es bei der umweltfreundlichen Beförderung zur Arbeit immer noch krankt. „60 Prozent aller Arbeitnehmer haben einen täglichen (einfachen) Arbeitsweg von mehr als zehn Kilometern“, sagte Weber. Die überwiegende Anzahl der Befragten braucht hierfür mehr als 20 Minuten. Zurückgelegt wird diese Strecke zu 85 Prozent mit dem Auto, eine Kombination aus verschiedenen Verkehrsmitteln findet praktisch nicht statt.

 

Fahrgemeinschaften werden aber immerhin von 23 Prozent organisiert. Hochgerechnet auf alle Berufstätigen in Bad Neustadt könnten mit der umfangreichen Bildung von Fahrgemeinschaften im Idealfall täglich 1.000 Autofahrten in die Stadt weniger stattfinden. Eine riesige Einsparmöglichkeit.

 

Leicht umzusetzen sind diese Vorschläge aber nicht. Die Mitfahrzentrale Rhön könnte eine Plattform für all jene sein, die eine Fahrgemeinschaft nicht selbst organisieren können. Unterstützung von Seiten der Unternehmen in Form von Tankgutscheinen für Fahrgemeinschaften oder besonderen Parkplätze wären eine willkommene Belohnung. Oder man fährt gleich mit dem Fahrrad, dem E-Bike sowie mit Bus und Bahn zur Arbeit. Nur nicht allein im Auto.

 

Die Untersuchung der Personenmobilität, insbesondere der Pendler nach Bad Neustadt wurde in einer Festschrift mit dem Titel „Emissionsarme Mobilität – Maßnahmenkatalog für Arbeitgeber als Teil eines integrierten Mobilitätsmanagements“ herausgegeben. Die Broschüre ist beim IAL oder beim TTZ zu haben. Online kann man die Infobroschüre sowie sämtliche Einzelergebnisse des Forschungsprojektes unter ial.fhws.de/personenmobilitaet.html einsehen

 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer