22.01.2016 / Fahrrad-Akkus im Stresstest

Foto: Eckhard Heise

Wenn ein Fahrzeughersteller mit größtem Erfolg auf den E-Mobil-Zug aufgesprungen ist, dann sind es die Zweiradproduzenten. E-Bikes boomen, wie es sich manch anderes Produkt gewünscht hätte. Da war es für das Bad Neustädter Technologiezentrum (TTZ) nur folgerichtig, sich wissenschaftlich mit dem Pedelec zu befassen. Jetzt wurde das Ergebnis eines aufwendigen Labor- und Feldversuchs vorgestellt, das nun in die weitere Entwicklung der Zweiräder einfließen kann.

 

Gleich vier Teilnehmer waren in das Projekt eingebunden: Das TTZ machte Feld- und Laborstudien zur Alterung der Akkus; der Karlstädter Akkuhersteller BMZ testete 25 Räder und gewann Erkenntnisse über den Stromverbrauch im praktischen Einsatz; das Fraunhofer Institut untersuchte die „Chemie“ neuer und verbrauchter Batterien und die Firma Winora hatte 25 Fahrräder im Einsatz und befragte die Anwender nach ihren subjektiven Erfahrungen.

 

Spannend war es vor allem, als Sven Bayer vom TTZ den Versuchsablauf und dessen Ergebnisse schilderte. Die Außenstelle der FH Würzburg/Schweinfurt konnte nachweisen, dass nach mindestens 300 Ladezyklen noch mehr als 80 Prozent Akkuleistung vorhanden sind. Im Stresstest des Labors ließ sich darüber hinaus nachweisen, dass die Umgebungstemperatur einen erheblichen Einfluss auf die Lebensdauer hat. Die optimale Temperatur liegt bei 25 Grad, Akkus, die höheren Temperaturen ausgesetzt sind, altern hingegen viel schneller. Bei 45 Grad geht der Prozess am schnellsten. Ob die Akkus halb oder ganz entladen waren, spiele für die Haltbarkeit kaum eine Rolle.

 

Wie der Strom verbraucht wird, etwa durch häufige Nutzung der stärksten Antriebsstufe, spiele für die Akkuhaltbarkeit ebenfalls kaum eine Rolle, hatte die Firma BMZ herausgefunden, erklärte Diplom-Ingenieur Jürgen Schmitz. Sie hatte 25 Anwender auf die Straße geschickt und sie mit GPS, Strom- und Spannungsstärkenmesser ausgerüstet, die ihre Ergebnisse laufend via Smartphone dem TTZ übermittelten.

 

Die Probanden des Fraunhoferinstituts hatten 18 000 Kilometer auf die Straße gebracht. Der Alterungsprozess sei in erster Linie von der Außentemperatur und von den verwendeten Werkstoffen abhängig, sagte dessen Mitarbeiter Tobias Bach. „Hochwertige und teure Produkte zahlen sich am Ende aus“, ist seine Quintessenz.

 

Die Freiwilligen der Firma Winora hatten es sogar auf insgesamt 42 000 Kilometer gebracht. Ihre subjektiven Erfahrungen und Ansichten wurden auf Fragebögen festgehalten und lieferten ein Bild über die praktische Nutzung im Alltag oder in der Freizeit.

 

Mit dem Projekt konnte somit nachgewiesen werden, dass bei einer normalen Nutzung nach etwa 500 Ladezyklen die Akkus noch 80 Prozent Leistung haben, fasste TTZ-Leiter Professor Ansgar Ackva zusammen. In der Praxis heißt das etwas pauschal gesagt, „bei einer Batteriereichweite von 100 Kilometer steht nach 50 000 Kilometer noch eine Reichweite von 80 Kilometer zur Verfügung - und die musst du erst einmal auf dem Buckel haben“.

 

Wie und von wem die Erkenntnisse des Instituts nun genutzt werden, kann Ackva allerdings noch nicht sagen, während der Vertreter des Schweinfurter Fahrradherstellers konkreter ist. „Die Erkenntnisse des Projekts werden sich in der Bedienungsanleitungen wiederfinden“.

 

Quelle: Mainpost, Eckhard Heise