29.01.2016 / Modellstadt bleibt e-mobil

Ende der Modellstadt-Förderung: Für das TTZ, das Herzstück der Elektromobilität, hofft die Stadt auf mehr Geld aus München. Die weitere Finanzierung der Stiftungsprofessur ist schon gesichert.

Foto: Foto/Montage: Sonja Demmler

Die Förderzeit für die Modellstadt Elektromobilität ist abgelaufen. Aber Bürgermeister Bruno Altrichter sagt, was für alle Beteiligten feststeht: „Für uns ist das Ganze nicht zu Ende. Wir wollen auf diesem Feld weiter kräftig mitspielen.“ Es waren ja auch fünf Jahre mit erfolgreichen Projekten, oft in Zusammenarbeit mit der hiesigen Wirtschaft. Etwa das Batteriemanagement von Preh, der Aufbau der Motorenfertigung für Elektroautos bei Siemens oder die Elektroautos bei Jopp, deren Akkukapazität eingesetzt wird, um Stromspitzen im Werk abzufangen.

 

Von Beginn an, so stellvertretender Landrat Peter Suckfüll, habe man auf die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen gesetzt, um neue Perspektiven für die Region insgesamt zu schaffen und neue Arbeitsplätze. Deshalb sei der Landkreis von Anfang an dabei gewesen. Und Altrichter bestätigt, man habe das Projekt Modellstadt Elektromobilität nicht auf Bad Neustadt begrenzt gesehen, sondern ausgedehnt auf die gesamte Region.

 

Was bleiben wird, so Jörg Geier, Wirtschaftsförderer am Landratsamt und einer der Projektmanager Elektromobilität, sind unter anderem 200 neue Arbeitsplätze, die erfolgreiche und größte E-Mobilitätsschau und natürlich das Technologietransferzentrum (TTZ), das Herzstück der Elektromobilitätsstadt mit Professor Ansgar Ackva, das selbst auch noch weitere 40 Mitarbeiter hat.

 

Die TTZs seien politisch gewollt gewesen, so Ackva. In Bad Neustadt sei dank der super Kooperation daraus aber mehr geworden. Es ging darum Know-How in die Firmen zu bringen einschließlich einer Ausbildung auf hohem Niveau. Mitarbeiter des TTZ seien sogar bei wissenschaftlichen Vorträgen in den USA und Brasilien. Das Projekt Modellstadt Bad Neustadt bezeichnet Ackva als Erfolgsstory.

 

Seiner Ansicht nach, und da ist er sich mit allen Beteiligten einig, sollte das TTZ auch nach Projektende in seiner jetzigen Größe beibehalten werden. „Wir wollen Hochschule bleiben“, betont er. Bleibt aber die Frage der Kostenübernahme nach dem Förderende. Die für die 16 TTZs in Bayern zugesagten 200 000 Euro pro Jahr reichen nicht. Um im gleichen Umfang wie bisher weitermachen zu können, wären zwei Millionen Euro pro Jahr nötig.

 

Ackva stellt sich dafür ein Finanzierungsmodell wie beim Fraunhoferinstitut vor, bei dem der Staat ein Drittel der Kosten trägt, während das Institut sich selber um die Finanzierung der anderen zwei Drittel selbst kümmert.

 

Für das TTZ in Bad Neustadt wäre also für die nächsten fünf Jahre ein jährlicher Zuschuss von 700 000 Euro vom Freistaat nötig. Die restlichen 1,3 Millionen Euro selbst beizusteuern, darin sieht Ackva kein Problem. Schon bisher sei es so gewesen, dass zu jedem Fördereuro zwei zusätzliche durch das TTZ eingeworben wurden. Man bemüht sich also hier vor Ort, das sei deutlich zu erkennen.

 

Außerdem sei die Stiftungsprofessur aus der Region finanziert worden. Und wie Jörg Geier erklärt, stehen schon wieder genug Stifter bereit, dass die Finanzierung auch schon wieder für die nächsten fünf Jahre gesichert ist. Ein deutliches Signal aus Bad Neustadt nach München, dass die Region hinter der Elektromobilitätsstadt Bad Neustadt steht. Weil das TTZ bisher so erfolgreich gearbeitet hat, ist die Hoffnung in Bad Neustadt groß, dass diese Förderidee bei den Haushaltsberatungen des Landtags berücksichtigt wird. Von politischer Seite werden wir da von Vertretern aller Parteien aus der Region unterstützt, stellt stellvertretender Landrat Suckfüll fest.

 

Für Hubert Büchs, den Vorsitzenden des Fördervereins „M.e.nes“, ist klar, dass sich die Industrie in der Region besser entwickeln würde, wenn das TTZ in seiner bisherigen Stärke bestehen bleibt. Es würde sich aus seiner Sicht bei einer verbesserten Förderung ja auch nicht um ein Almosen aus München handeln. Er spricht von einem „return on project“. Vielleicht haben wir dann ja bald Tausende von neuen Stellen im Bereich Elektromobilität, schaut er in die Zukunft.

 

Projektmanager Ullrich Leber verweist auf die Verwurzelung der Idee der Elektromobilität in der Bevölkerung und darauf, dass bisher bereits nachhaltige Produkte entwickelt und nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen wurden. „Wir haben den Fuß in der Tür beim Markthochlauf“. Der Boden sei gut bereitet, jetzt gelte es das „Blümchen Elektromobilität weiter zu gießen.“

 

 

Quelle: Mainpost, Hubert Herbert