10.03.2015 |Modellstadt in der Modellregion

Bad Neustadt soll gewichtige Rolle bei Entwicklung des Biosphärenreservats übernehmen

Würde man in Bad Neustadt danach fragen, nicht jeder wüsste, dass sich die Kreisstadt innerhalb des Biosphärenreservats Rhön befindet. In der Öffentlichkeit ist kaum aufgefallen, dass der bayerische Teil des Biosphärenreservats jüngst gewaltig gewachsen ist. Dabei gibt es ein Zeichen, das jeden Neuankömmling in einem Ort darauf hinweist, dass er sich in einem Biosphärenreservat befindet: das an den Ortsschildern angebrachte braun-weiße touristische Hinweisschild.

 

Insgesamt 300 derartiger Schilder wurden in den vergangenen Wochen an den Ortseingängen von insgesamt 22 Kommunen angebracht, die in der 58113 Hektar großen Erweiterungsfläche in den Landkreisen Rhön-Grabfeld (10) und Bad Kissingen (12) liegen. Auch in Bad Neustadt und den Ortsteilen sind die Schilder seit Wochen zu sehen. Bei einem der letzten, das noch anzubringen war, ließen es sich Bürgermeister Bruno Altrichter und der Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle für das Biosphärenreservat, Michael Geier, nicht nehmen, die Befestigung selbst vorzunehmen.

 

Obwohl beide beruflich ansonsten weniger mit handwerklichen Tätigkeiten beschäftigt sind, legten sie jetzt – mit Unterstützung von Bauhofmitarbeitern – selbst Hand an, um die Bedeutung der Erweiterung des Biosphärenreservats hervorzuheben und den ungewöhnlichen Umstand zu verdeutlichen, dass nun eine Kreisstadt und ein Industriestandort wie Bad Neustadt innerhalb der Grenzen eines Biosphärenreservats liegt. Schließlich verbindet man mit dem Begriff Biosphärenreservat eher Birkwild und Wiesen als Siemens oder Preh.

 

Was bedeutet diese neue Situation für das Biosphärenreservat und was bedeutet sie für die Stadt Bad Neustadt? „Wenn die Rhöner früher in die Kreisstadt pendelten, sind sie aus dem Biosphärenreservat rausgefahren, heute bleiben sie drin“, beschreibt Michael Geier vereinfacht den Umstand, dass sich für viele Rhöner Leben und Arbeiten nunmehr weitgehend innerhalb des Biosphärenreservats abspielen. Und genau das komme dem Anspruch des Biosphärenreservats entgegen, in allen Lebensbereichen nachhaltige Entwicklungen voranzubringen.

 

Bruno Altrichter betont, dass sich Bad Neustadt bewusst bemüht habe, in den Bereich des Biosphärenreservats zu kommen, da dieses „Qualitätssiegel“ dem Anspruch und Selbstverständnis der Stadt entspricht, sich als Ort der Beschäftigung, als Heilbad, als Gesundheitsstandort und als Wohnort mit lebenswertem Umfeld weiterzuentwickeln.

 

Die Frage, ob ein Industriestandort und das Biosphärenreservat in Einklang zu bringen sind, bejahen Altrichter und Geier übereinstimmend. Schließlich sei das Thema Beschäftigung grundlegend – gerade auch in einer Modellregion für nachhaltige Entwicklungen, wie es das Biosphärenreservat sein will.

 

Wie Geier betont, lassen sich alle Aktivitäten im Biosphärenreservat unter dem Ziel Lebensqualität fassen. Hier habe Bad Neustadt mit den Themen Gesundheit, Arbeitsplätzen oder auch als Modellstadt für Elektromobilität viel einzubringen. Für Menschen, zum Beispiel Wert auf Natur und Umwelt legen, sei die Lebensqualität in der Region weit höher als anderswo. „Man muss nur noch besser mit den Pfunden wuchern“, ist er überzeugt.

 

In diesem Sinn ließe sich das Argument „Leben und Arbeiten im Biosphärenreservat Rhön“ durchaus für Bad Neustädter Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften und der Werbung für die Rückkehr junger Rhöner nutzen, sind Geier und Altrichter überzeugt.

 

Wie die Zusammenarbeit konkret aussehen wird, muss sich jetzt noch entwickeln. Geier wünscht sich die Stadt künftig als starken Partner, der aktiv mitgestaltet. So soll sich Bad Neustadt bei der aktuell laufenden Entwicklung des Rahmenplanes, in dem die Ziele des Biosphärenreservats für die nächsten 15 Jahre entwickelt werden, einbringen. Aus dem Stadtrat heraus soll eine Arbeitsgruppe entstehen, die hierzu Vorstellungen aus der Perspektive der Stadt erarbeitet.

 

Als Beispiel für ein mögliches Betätigungsfeld nennt Geier das Thema Mobilität im ländlichen Raum und konkret den Pendlerverkehr und die dafür erforderlichen, enorm großen und teuren Parkplatzflächen. Bürgermeister Altrichter führt in diesem Zusammenhang eine Vertiefung des Themas Elektromobilität im ländlichen Raum an.

 

Einig zeigen sich beide im Willen zur Zusammenarbeit. Zumindest beim gemeinsamen Anbringen des neuen Schildes hat sie schon einmal vorbildlich funktioniert.

 

 

Quelle: Mainpost, Thomas Pfeuffer