28.10.2016 / Nur wenige E-Autos auf der Straße

Aber die Entwicklung geht voran – mit der Modellstadt als einem wichtigen Akteur

Foto: Ursula Achatz

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf bundesdeutschen Straßen unterwegs sein. Das war einmal der Plan der Bundesregierung. Rund 30.000 hat man inzwischen geschafft. Fehlen noch 970.000. Das dürfte schwer werden. Die Nachfrage ist gering. Daran hat auch die Kaufprämie wenig geändert. Auch wenn es seit Mitte des Jahres für reine Elektroautos einen staatlichen Zuschuss von 4.000 Euro gibt und für Plug-in-Hybride von 3.000 Euro. Einen Run hat das nicht ausgelöst.

Das wissen auch Ulrich Leber und Jörg Geier, die Projektmananger von M-E-NES, der Modellstadt für Elektromobilität Bad Neustadt, die mit einem Gemeinschaftsstand von Bayern Innovativ auf der eCarTec in München vertreten war, der Leitmesse für Elektromobilität. Rund 160 Aussteller präsentierten dort Produktneuheiten für Elektrofahrzeuge. Ladespeicher und Motorentechnik. Die Vertreter von M-E-NES stellten die Kompetenzen des TTZ vor sowie die e-mobilen Bildungsangebote und Projektinhalte der Modellstadt.

Auch wenn die Zahl der E-Autos nicht enorm wächst, die Voraussetzungen für die E-Mobilität werden immer besser, so Leber und Geier. So nehme nicht nur die Zahl der Ladestationen zu, sondern auch die Ladekapazität und die Möglichkeit des induktiven Ladens. Elektrisch von München nach Berlin zu kommen, sei schon jetzt kein Problem, so Geier. Bis 2018 sei außerdem geplant, dass an allen Autobahnen genügend Ladesäulen stehen. Aber genügend für wie viele Autos? Für 30.000 werde das sicher reichen, so Geier, aber wenn es wirklich eine Million wären? Aber es sollen ja bald E-Autos mit Reichweiten zwischen 300 und 500 Kilometern auf den Markt kommen, sagt Leber. Die bräuchten dann aber längere Ladezeiten oder leistungsfähigere Ladesäulen. Deshalb sieht Leber zunächst eher eine Zunahme an Hybridfahrzeugen, erst später den verstärkten Umstieg auf reinen Elektroantrieb.

Ein Stichwort für die Zukunft heißt „Null Emission“, so Leber. Nicht nur das Auto stößt da keine Schadstoffe aus, sondern auch bei der Stromerzeugung entstehen keine – wie zum Beispiel beim Laden per Solarmodul. Damit beschäftige sich auch das TTZ. Wichtig wird aus der Sicht von Leber und Geier außerdem das Management von Ladestationen. Bei einer Station mit mehreren Ladesäulen würde die Gesamt-Ladeleistung nur noch dann gleichmäßig auf alle Säulen verteilt, wenn alle belegt sind. Sind eine oder mehrere frei, wird deren Ladeleistung auf die anderen verteilt. Die dort angeschlossenen Autos würden also schneller geladen. „Wenn so was aus Bad Neustadt käme, das wäre ein echter Wettbewerbsvorteil“, sagt Geier.

„Wir sind hier in Bad Neustadt zwar einer der kleinsten Akteure in der E-Mobilität, aber wird sind an der Spitze“, so Geier. Weil das so ist, dürfen er und Professor Ansgar Ackva in Shenzen/China Ende November bei der Hi-Tech-Fair, der führenden Technologiemesse Chinas, auf dem Gemeinschaftsstand des Freistaats Bayern zeigen, was die Region in Sachen Elektromobilität drauf hat. „Das sehen wir als Auszeichnung für die Modellstadt“, sagen Leber und Geier nicht ohne Stolz.

 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Hubert Herbert