18.12.2014 |Reges Interesse an Fahrgemeinschaften

Institut für angewandte Logistik untersucht in Bad Neustadt das Mobilitätsverhalten von Berufspendlern

Foto: IAL

Das Institut für angewandte Logistik (IAL) hat über tausend Pendler in Bad Neustadt zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Die Erkenntnisse werden derzeit mit Arbeitgebern und Kommunalverantwortlichen diskutiert. „Ziel ist es, ein übergreifendes Mobilitätsmanagement zu entwickeln, an dem alle Seiten mitwirken und durch das so positive Umwelteffekte erzielt werden können“, heißt es in einer Pressemitteilung des Würzburger Instituts. Maßnahmen und Maßnahmenvorschläge dazu werden Anfang 2015 veröffentlicht.

 

Im Juni 2012 fiel der Startschuss mit Voruntersuchungen für das Projekt CO2-minimierte Innenstadt Bad Neustadt. Das IAL wollte in Zusammenarbeit mit Stadt und Landratsamt herausfinden, wie sich die CO2-Belastung der Innenstadt mindern lässt. Das Technologie Transferzentrum beauftragte das IAL mit dem Projekt. Beide Institute sind der Hochschule Würzburg-Schweinfurt angehörig. Das IAL bringt die dafür notwendigen Erfahrungen in Logistik, Verkehrskonzepten und Nachhaltigkeit ein.

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt wurde im Projekt erforscht, wie sich die Pendler von Arbeitgebern Bad Neustadts in puncto Mobilität verhalten. Zudem war es wichtig zu erfahren, wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Alternativen, wie z.B. Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV) oder Elektromobilität stehen. Das Ergebnis, welches sich aus der Auswertung von Fragebögen, Interviews und darauf basierenden weiterführenden Berechnungen zusammensetzt, habe „einige überraschende Aspekte“ hervorgebracht, so die Institutsvertreter.

 

Laut der Bundesagentur für Arbeit liegt die Anzahl der täglich einpendelnden Arbeitnehmer in Bad Neustadt bei über 11.000 Menschen. In der Studie wurden 11 Prozent dieser Personen befragt. „Aus den Ergebnissen und Folgeauswertungen ist zu erkennen, dass das Angebot des ÖPNV für die meisten gar nicht nutzbar ist. Das liegt sowohl an den Zeitplänen als auch an den angefahrenen Haltestellen, welche oftmals nicht mit Arbeitszeit und Arbeitsort übereinstimmen“, so das IAL.

 

Der Großteil der Arbeitnehmer schätzt die Möglichkeit, Fahrgemeinschaften zu bilden eher als gering ein. Dem gegenüber stehen 41 Prozent der Befragten, die bisher keine Fahrgemeinschaft nutzen, sich aber einer anschließen würden. „Dies ist bemerkenswert, da bei der planerischen Prüfung auf mögliche Fahrgemeinschaften genau dieses Potenzial erkennbar wurde, aber nur ein Bruchteil der Befragten von dieser Möglichkeit Kenntnis zu haben scheinen“, meint Bettina Weber, Projektmitarbeiterin am IAL. Es fehle also nicht unbedingt an der Bereitschaft, sich zusammen zu tun, sondern oftmals an der Kenntnis, dass diese Fahrmöglichkeiten vorhanden sind.

 

Diese und weitere Feststellungen wurden in den letzten Wochen mit Arbeitgebern und Verantwortlichen der Kommunen besprochen, um ein überbetriebliches Mobilitätsmanagement, insbesondere eine Organisation von unternehmensübergreifenden Mitfahrgemeinschaften zu organisieren.

 

Anfang 2015 werden die Ergebnisse des Projektes und entwickelte Vorschläge für Maßnahmen für ein derartiges umweltschonendes Mobilitätsmanagement öffentlich präsentiert. Darüber hinaus wird momentan vom IAL ein Maßnahmenkatalog mit dem Fokus auf Arbeitgeber erstellt. In diesem werden Vorschläge gebündelt, die aufzeigen, wie ein Unternehmen eine CO2-minimierte Mobilität ihrer Arbeitnehmer unterstützten und umsetzen kann. Sowohl der Katalog als auch die Erkenntnisse des Projekts bilden die Grundlage für alle anstehenden Gespräche mit dem Ziel, ein übergreifendes Mobilitätsmanagement in Bad Neustadt zu etablieren.

 

 

Quelle: Mainpost