16.10.2015 |"Saft" fürs E-Auto gibt's nur mit amtlicher Ladekarte

Foto: Alfred Kortwig

Ideal ist die Lösung nicht: Wer seit Ende Juli am neuen Busbahnhof an der Tuchbleiche in Bad Königshofen sein Elektroauto aufladen möchte, muss sich vorher im Rathaus eine Ladekarte besorgen.

Dass durchreisende Elektroautobesitzer somit keine Chance haben, außerhalb der Rathausöffnungszeiten ihren Akku aufzuladen, liegt auf der Hand. Aber auch für ortsansässige E-Mobil-Fahrer hat die Ladekarte einen Nachteil: Sie kann ausschließlich an der „Stromtankstelle“ in Bad Königshofen verwendet werden. In Sulzfeld, Münnerstadt oder auch Ebern, wo weitere von E.ON gesponserte Schnellladestationen stehen und von den jeweiligen Kommunen betrieben werden, funktioniert die Karte nicht, denn alle genannten Städte und Gemeinden kochen derzeit noch ihr eigenes Süppchen, wenn es um die Bereitstellung von Strom für Elektroautos geht.

Ausnahme Bad Neustadt

Eine Ausnahme in der Umgebung macht nur Bad Neustadt. In der Vorzeigestadt“ der Elektromobilität kann man am Busbahnhof und bei den Stadtwerken zu jeder Tages- und Nachtzeit Strom für den Akku seines Elektroautos zapfen und das auch noch völlig kostenlos.

Verschenken möchten die Stadt Bad Königshofen und andere Kommunen den Strom aber nicht. Über eine Ladekarte, die es in der Badestadt gegen eine Kaution von 50 Euro im Rathaus gibt, ist die Stadt über die Stromabnahme des Nutzers deshalb immer im Bild.

 

Rainer Jäger vom Bauamt der Stadt Bad Königshofen räumt ein, dass diese „Insellösung“ nicht ideal ist. „Wir sind im Moment noch in einer Art Erprobungsphase und sammeln Erfahrungswerte“, so der Stadt-Mitarbeiter. Zwei von insgesamt zehn zur Verfügung stehenden Ladekarten seien im Umlauf, bei Bedarf könnten auch mehr als zehn ausgegeben werden. Ob und in welcher Form der Strom den Nutzern später berechnet wird, sei noch nicht endgültig geklärt. „Auf Dauer wollen und müssen wir aber weg von dieser Insellösung“, sagt Jäger. Erster Schritt in diese Richtung könnte seiner Meinung nach eine Karte sein, mit der zumindest an den Ladesäulen in der Umgebung Strom getankt werden kann.

Auch der Sulzfelder Bürgermeister ist nicht glücklich mit der „Kartenlösung“, sieht derzeit aber keine andere Möglichkeit. Vor seinem Rathaus steht die zweite Ladesäule im Altlandkreis Königshofen. Wie in Bad Königshofen muss sich eine Ladekarte im Rathaus holen, wer Strom für seinen Akku braucht.

Heusinger sieht das Hauptproblem in der Abrechnung, denn eine Kommune darf eigentlich keinen Strom verkaufen. Ganz ohne Gegenleistung will sie ihn aber auch nicht hergeben. „Wir wollen deshalb künftig die Karten über die örtliche Gastronomie verteilen“, so Heusinger. „Wer nachweist, dass er in einem Sulzfelder Lokal eingekehrt ist, bekommt dann sozusagen als Belohnung den Strom fürs Aufladen von uns umsonst.“

 

Heusinger, der auch Vorsitzender der Allianz Grabfeldgau ist, weiß, dass dies langfristig kein geeigneter Weg sein kann, die Elektromobilität nach vorne zu bringen. „Wir werden über das Thema in den nächsten Allianz-Sitzungen sprechen und über bessere Möglichkeiten diskutieren“, so der Sulzfelder Rathauschef.

Das wünscht sich auch Ralf Glückstein, der seit gut einem Jahr einen vollelektrischen BMW I 3 fährt.

Täglich nach Schweinfurt

Über 25000 Kilometer hat er in dieser kurzen Zeit schon zurückgelegt, denn der Serrfelder fährt Tag für Tag mit seinem in der Basisversion 35 000 Euro teuren Elektroauto zur Arbeit nach Schweinfurt. Aufgeladen wird in der Regel in der heimischen Garage. Trotzdem will er sich auf der Stadt eine Ladekarte besorgen, denn seine Frau übernimmt den 170 PS starken Elektroflitzer, kaum dass er nach Hause gekommen ist, und fährt mit ihm nach Bad Königshofen zur Arbeit. „Dann ist es optimal, wenn sie das Auto an der Tuchbleiche ein paar Stunden aufladen kann“, so Glückstein. Dass man bis auf Bad Neustadt in der Umgebung für jede Ladestation eine eigene Karte braucht, findet Glückstein kontraproduktiv. „Ich hoffe, dass es in absehbarer Zeit zumindest im Verbandsgebiet der Grabfeld-Allianz eine einheitliche Ladekarte geben wird.“

Seinen Entschluss, sich ein Elektrofahrzeug zuzulegen, hat Glückstein trotz des „Ladekartenchaos“ nicht bereut. Normalerweise braucht er auch gar keine öffentliche Schnellladestation. „Mit einer Akkuladung komme ich bis zu 150 Kilometer weit und das reicht für die allermeisten Fahrten aus“, erklärt der Serrfelder. Zudem gebe es an immer mehr Einkaufsmärkten, Betrieben und Autohäusern im Landkreis die Möglichkeit, den Akku schnell aufzuladen. „Oft ist das sogar umsonst“, weiß Glückstein.

Nicht zuletzt ist der BMW I 3 für den Ausbildungsmeister und Energieberater abgesehen vom Kaufpreis im täglichen Betrieb ein äußerst preiswertes Fahrzeug. „Nur etwa drei Euro kostet mich der Strom für 100 Kilometer“, sagt er. „Für einen vergleichbaren Benziner muss man das drei- bis vierfache rechnen.“

Einen Überblick über alle Stromtankstellen in Europa gibt es im Internet unter www.lemnet.org

 

Quelle: Mainpost, Alfred Kortwig