24.11.2016 / Steigende Marktanteile zu verzeichnen

Nordbayerische Meister-Lehrer erkunden die E-Mobilität an der Fachoberschule

Foto: Johannes Benkert

Die Elektromobilität und ihre Zukunft waren das zentrale Thema einer Fortbildungsveranstaltung, die an der Staatlichen Fach- und Berufsoberschule Bad Neustadt für nordbayerische Werkstattausbilder angeboten wurde. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Guido Vorndran, Inhaber des gleichnamigen Bad Neustädter Autohauses, der zu den verkaufsstärksten Händlern von Elektro-Autos in Deutschland zählt.

Nachdem die Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2020 eine Millionen E-Autos auf die Straße zu bringen, zeigte Vorndran den teilnehmenden Werkstattausbildern die momentanen Stärken und Schwächen dieser verbrennungsmotorlosen Fahrzeuge auf. Zentraler Aspekt hier, so Vorndran, ist die Reichweite. Diese ist abhängig von der Ladekapazität der Akkus, in denen der Strom für den Antrieb gespeichert wird. „Alle knapp zweieinhalb Jahre verdoppelt sich die Leistung der Akkus“, machte Vorndran den Zuhörern die Entwicklung deutlich. Bei einer derzeitigen Reichweite von bis zu 320 Kilometern seines Renault Zoe sei man in wenigen Jahren bereits bei einer vergleichbaren Reichweite zum Verbrennungsmotor.

Damit rückt jedoch ein neues Problem in den Mittelpunkt, nämlich die Ladegeschwindigkeit. Ist der Bürger gewohnt, mit seinem Benzin-Auto an die Tankstelle zu fahren und innerhalb von wenigen Minuten voll zu tanken, muss bei E-Autos anders geplant werden. Zwar weite sich das Netz der Stromtankstellen aus, aber „es bringt natürlich nichts, wenn ich dann vier oder fünf Stunden am Netz hänge, ehe der Akku wieder voll ist“. Das sei nach Ansicht Vorndrans keine richtige Mobilität.

Dieses Problem erkennend, habe Renault ein Schnellladesystem entwickelt, mit dem man innerhalb von einer Stunde seinen Akku so gut wie vollladen könne. Mit einem 40 Kilowatt-Akku hat das E-Auto damit eine Reichweite von 240 bis 320 Kilometer. Der Einzelhandel hat diese Tatsache für die Kundenbindung bereits erkannt, so dass viele Elektronik- oder Lebensmittelfachmärkte für ihre Kundschaft E-Zapfsäulen anbieten, die während eines Einkaufs kostenlos genutzt werden können. Auch in Bad Neustadt gibt es diese schon und die Zahl wächst immer weiter, so Vorndran. In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass Elektroautos schon in den kommenden Jahren immer mehr Marktanteile erreichen werden.

Doch nicht nur die Elektromobilität war Thema der Fortbildung an der Bad Neustädter FOS. Mit Daniel Pfülb von der Firma Zoller hatten die beiden einheimischen FOS-Werkstattausbilder Erhard Speth und Udo Geis einen weiteren Experten, diesmal aus dem Bereich Metall, gewinnen können. Als Vertreter des Weltmarktführers für Werkzeugvermessung und -einstellung zeigte Pfülb den Ausbildern einige Möglichkeiten in der Welt der Industrie 4.0.

Hierbei wurde den Teilnehmern eine große Bandbreite des Zusammenspiels von Maschine, Computer, Software und Mensch im Bereich der Präzisionseinstellung von Maschinen deutlich. Aber auch die digitale Art und Weise, wie in Zukunft Werkzeug in Werkstätten und Fabriken verwaltet werden kann, kam zur Sprache und sorgte für Erstaunen.

Zu Anschauungszwecken hatte Pfülb eine der kleineren Maschinen mitgebracht und in der Fos-eigenen Metallwerkstatt aufgebaut. Von den Softwarelösungen, der Genauigkeit der softwaregesteuerten Lasereinstellung sowie den weiteren Möglichkeiten zeigten sich die Meister-Lehrer sichtlich beeindruckt.

Den dritten und abschließenden Punkt der Fortbildungsveranstaltung am Nachmittag bildete eine Fragerunde zu arbeits- und tarifrechtlichen Fragen, zu der mit Robert Kölbl aus Amberg und Christian Baumann aus Fürstenfeldbruck zwei ausgewiesene Experten in den Bereichen Schul- und Tarifrecht Rede und Antwort standen.

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Johannes Herbert