02.07.2015 |Weil Pendler die Luft verpesten

Um es gleich vorneweg zu sagen, das Rad neu erfunden haben die Leute vom Würzburger Institut für angewandte Logistik (IAL) nicht bei der Frage, wie man am besten CO2- Emissionen in der Innenstadt senkt. Weil der Autoverkehr schnell als Hauptverantwortlicher der Luftverschmutzung identifiziert wurde, bietet sich an, Anreize für Arbeitspendler zu empfehlen, um Fahrgemeinschaften zu bilden oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

 

In diesem Ergebnis jedenfalls konzentriert sich die „Konzeption eines integrierten betrieblichen Mobilitätsmanagements“ mit dem Ziel einer CO2-minimierten Innenstadt, die in Kooperation mit dem Bad Neustädter TTZ (Technologie Transfer Zentrum Elektromobilität) erstellt wurde. So naheliegend das vielleicht erscheinen mag, der Weg dahin dürfte alles andere als einfach werden.

 

Das wurde bei der Präsentation des Ergebnisses vor einem ausgewählten Publikum aus Vertretern der heimischen Industrie und öffentlichen Trägern durch Diplom Geologin Bettina Weber im Sitzungssaal der Stadtwerke deutlich.

 

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Im Rahmen einer Umfrage wurden 1225 Pendler aus elf verschiedenen Firmen erfasst, was etwa elf Prozent aller nach Bad Neustadt einpendelnden Personen darstellt. Über 84 Prozent nutzen dazu hauptsächlich das Auto, alle anderen Verkehrsmittel spielen fast keine Rolle. Nur 1,8 Prozent nehmen den Bus.

 

Täglich CO2 sparen

 

60 Prozent dieser Arbeitnehmer haben einen täglichen einfachen Arbeitsweg von mehr als zehn Kilometer, wofür sie 20 Minuten und länger brauchen. Aber nur 23 Prozent der Befragten gaben an, Mitglied einer Fahrgemeinschaft zu sein, immerhin 60 Prozent konnten sich grundsätzlich vorstellen, einer Fahrgemeinschaft beizutreten.

 

Dabei ließen sich nach der Berechnung von Bettina Weber allein bei den befragten Mitarbeitern rund 2600 Kilometer täglich einsparen, was einem jährlichen CO2-Ausstoß von rund 105 000 Kilogramm entspricht. Um diese Menge zu neutralisieren, brauchen 8400 Bäume gut ein Jahr.

 

Hilfe durch Mitfahrzentralen

 

Um die Gründung von Fahrgemeinschaften auch überbetrieblich zu erleichtern, bietet sich die Nutzung von Mitfahrzentralen an. Bettina Weber stellte eine Reihe vor, darunter auch die des Biosphärenreservats Rhön, die im gegenwärtigen Zustand allerdings technisch nicht mehr zeitgemäß und benutzerfreundlich sei. Mindestens 40 000 Euro würde ein Ausbau kosten, ebenso viel wie die Erstellung einer komplett neuen Mitfahrzentrale.

 

Ob sich der Anteil der Fahrgemeinschaften merklich erhöhen lässt, daran hegte ein Vertreter von Siemens Bad Neustadt Zweifel. „Wer Fahrgemeinschaften eingehen will, der tut das schon heute“, sagte er.

 

Bettina Weber und Institutsleiter Professor Ulrich Müller-Steinfahrt räumten ein, dass gerade die Umgewöhnung auf andere Verkehrsmittel schwierig und langwierig sei.

 

Das gilt auch für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause. 60 Prozent der Arbeitnehmer, die Angaben machten, bewerteten Bus und Bahn nur mit ausreichend und schlechter. Gut 50 Prozent der Befragten wünschten sich eine höhere Taktung der Verbindungen, 33,6 Prozent eine Preisreduzierung. Aber auch 32,5 Prozent gaben an, dass für sie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht in Frage kommt.

 

Das mag auch darin seine Ursache haben, dass Pendlerparkplätze schlecht an den ÖPNV angebunden sind. Für Betriebe würde sich hier die Einführung eines Werksbusses oder eine betriebsübergreifende Kooperation zur Finanzierung eines Shuttle-Busses anbieten. Bislang fördern Betriebe in erster Linie die Autonutzung – etwa durch die Bereitstellung kostenloser Parkplätze.

 

 

Quelle: Mainpost, old