01.12.2016 / Zeitalter der Elektromobilität kommt

Der 6. Energiedialog Mainfranken widmet sich dem Zukunftsthema Elektromobilität

Foto: Stefan Kritzer

Wer einmal Elektroauto gefahren ist, zeigt sich zumeist begeistert. Dennoch sind es nur wenige tausend beinahe exotische Exemplare, die gegenwärtig in Deutschland angemeldet sind. Bei mehr als 3 Millionen Neuzulassungen pro Jahr. Die Region Mainfranken GmbH hat zu einem weiteren Energiedialog geladen und in der Modellstadt das Thema Elektromobilität ganz hoch aufs Schild gehoben.

„Elektromobilität ist ohne Alternative“, sagt Wolfgang Schneider im Alten Amtshaus beim Energiedialog Mainfranken. Die Diskussion um nachhaltige Energiegewinnung und die Mobilität der Zukunft der Region Mainfranken GmbH fand in ihrer sechsten Austragung in der Modellstadt für Elektromobilität statt. Die Redner wie auch die Zuhörer waren der gleichen Meinung wie Dr. Wolfgang Schneider, Direktor Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen: Der Durchbruch der Elektroautos sei nur noch eine Frage der Zeit. Wenn Elektroautos bald billiger werden, die Ladeinfrastruktur ausgebaut ist und vor allem die Batterien leistungsfähiger sind, stehe dem rein elektrischen Fahren nichts mehr im Wege.

Vor allem die mangelnde Reichweite schreckt viele potenzielle Käufer noch ab. „Reden wir über 160 Kilometer, reden wir über gar nichts“, sagt Schneider. Bislang kann nur Tesla mehr als 400 Kilometer Reichweite bieten, allerdings nur in Luxusautos. Wolfgang Schneider fordert mehr Anstrengungen für die Elektromobilität in allen Bereichen, von der Politik bis zum Autofahrer. „Die Bundesregierung hatte den Mut, aus der Atomenergie auszusteigen“, so Schneider. „Diesen Mut brauchen wir jetzt bei der Durchsetzung der Elektromobilität.“ Zum Beispiel, wie der Verkehrsexperte ausführt, mit einem Fahrverbot für Verbrenner in Innenstädten, wie es sogar der Bundesrat ab dem Jahr 2025 gefordert hat.

Bürgermeister Bruno Altrichter und Landrat Thomas Habermann begrüßten zum 6. Energiedialog eine große Zahl an Gästen im Alten Amtshaus und stellten die Intentionen der Kreisstadt als erste bayerische Modellstadt für Elektromobilität in den Fokus. Der technische Leiter der Stadtwerke und Projektmanager Elektromobilität, Ulrich Leber, übernahm die Moderation des Energiedialogs.

Elektromobilität und regenerative Energien gehören für Professor Dr. Ansgar Ackva unabdingbar zusammen. „Nur so wird ein Schuh daraus“, sagt der Leiter des Technologietransferzentrums Elektromobilität (TTZ). Die Bildungseinrichtung und Forschungsstation beschäftigt sich unter anderem mit der Leistungsfähigkeit der Batterien von Elektroautos. „Die Energiedichte ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen“, so Ackva. „Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht.“ Gleichzeitig mit der höheren Leistungsfähigkeit der Batterien sei deren Preis erheblich gesunken. „Ab 2020 kommt das Zeitalter der Elektromobilität“, ist sich Ackva sicher.

Allerdings stellt der TTZ-Leiter der Bundesrepublik ein schlechtes Zeugnis in der Vorbereitung auf dieses Zeitalter aus: „Deutschland ist zu träge“, sagt er, „das könnte alles viel schneller gehen.“ Denn zu tun gebe es noch reichlich: Nicht nur die Ladeinfrastruktur muss aufgebaut werden, sondern es muss ein Vielfaches an Strom zur Verfügung gestellt werden, wenn die Menschen flächendeckend mit Elektroautos unterwegs sein sollen.

Ohne richtige Ladeinfrastruktur gehe es in Sachen Elektromobilität nicht, weiß Yusuf Akdeniz, Vertriebsleiter der Firma chargeIT-mobility aus Kitzingen, vormals Belectric Drive GmbH. Lediglich in Städten wie Bad Neustadt oder auch in Regensburg, wo es bereits 120 Ladesäulen gibt, sei das Netz der Ladestationen schon gut ausgebaut. Richtige Mengen an Strom müssen künftige Ladesäulen aber liefern können: „Eine moderne Ladesäule muss 22 Kilowattstunden bereit stellen können“, sagt Akdeniz.

Ein Erfolgsprojekt ist die Elektromobilität bereits heute im Hause Preh. Der Automobilzulieferer hat in den vergangenen Jahren eine eigene Abteilung aufgemacht, in der heute 70 hoch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt sind, wie Abteilungsleiter Dr. Joachim Wagner ausführte und nach Ende des Energiedialogs zur Betriebsbesichtigung einlud. Batteriemanagement ist die Kernaufgabe dieser neuen Abteilung und Preh mittlerweile Spezialist für das korrekte Zusammenführen von knapp 100 Batteriezellen zu einem in Einklang arbeitenden Elektroantrieb.

"Wir leben Elektromobilität aber auch“, sagte Wagner. Langstreckenfahrten werden heute schon mit dem firmeneigenen Tesla zurückgelegt, zwischendurch an den wenigen Ladestationen (Tesla-Supercharger) ein Zwischenstopp eingelegt. Jetzt müssen nur noch weniger luxuriöse Autos wie der Tesla ebenfalls 400 bis 500 Kilometer Reichweite haben. Dann steht dem Durchbruch der Elektroautos nichts mehr im Wege.

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer