23.04.2015 |Zur Probe: Nessi 2 fährt zwei Tage elektrisch

Erfahrungen mit umweltfreundlicher Personenbeförderung sammeln – Elektrobus muss täglich 227 Kilometer fahren

Es würde der Modellstadt für Elektromobilität gut zu Gesicht stehen, wenn die Stadtbuslinie Nessi elektrisch fahren würde. Aber würde das auch problemlos funktionieren? An diesem Donnerstag und Freitag wird es da einen deutlichen Erkenntniszuwachs geben. Denn an den beiden Tagen wird ein Elektrobus der Firma Sileo-Bozankaya die Linie Nessi 2 nach Herschfeld und zum Rhön-Klinikum bedienen – allerdings nur probehalber.

 

Ein guter Termin ist es allemal. Denn wie der kaufmännische Leiter der Stadtwerke Andreas Schlagmüller erklärt, ist da zum Einen die zeitliche Nähe zur Fahrzeugschau Elektromobilität am Wochenende, bei der der Bus nach seinem Einsatz am Donnerstag und Freitag besichtigt werden kann. Zum Anderen ist heuer das 20. Jahr des Bestehens der Stadtbuslinie Nessi. Da ist der Bus doch eine schöne Attraktion zum Jubiläum, findet Schlagmüller.

 

Aber das sind natürlich nicht die einzigen Gründe für den zweitägigen Einsatz des Elektrobusses. Schlagmüller weist darauf hin, dass in naher Zukunft die Konzessionsverträge zum Betrieb der Nessi-Linien auslaufen. In der Regel werden die alle acht Jahre neu ausgeschrieben. Es wäre also durchaus möglich, eine neue Ausschreibung so zu gestalten, dass alternativ auch der Betrieb mit Elektrobussen oder anderen alternativen Antrieben angeboten werden soll. Konkrete Gedanken habe man sich da noch nicht gemacht, jetzt gehe es erste einmal um Erfahrungen im Echtbetrieb. Denn erfahrungsgemäß, so Schlagmüller, klaffe halt doch eine Lücke zwischen Theorie und Praxis.

 

Deshalb hat Schlagmüller auch die Tour Nessi 2 für den Probebetrieb mit dem Elektrobus ausgesucht. Es ist die anspruchsvollere Strecke mit ihrem Anstieg bis zur Rhön-Klinikum. Da werde der Bus mehr gefordert. Insgesamt 227 Kilometer muss das Fahrzeug immerhin an einem Tag von morgens um 5.30 Uhr bis abends um 22.30 Uhr zurücklegen. Der Hersteller hat die Reichweite mit 250 Kilometern angegeben. Es müsste also reichen.

 

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Fahrweise. Die wird sowieso ganz ungewohnt für die Fahrer der Firma Bus Geis sein, die sonst die dieselbetriebenen Nessis fahren. Sie dürfen den Sileo fahren – natürlich nach fachlicher Anweisung durch die Herstellerfirma. Wenn der erste Tag geschafft ist, der an diesem Donnerstag morgens um 5.30 Uhr im Nachtigallweg in Herschfeld begann und um 22.29 Uhr dort auch wieder enden wird, dann rollt der Bus auf das Gelände der Firma Geis. Über Nacht in rund fünf Stunden tankt er dort an einer Starkstromdose wieder auf für den zweiten Probetag.

 

Für die Fahrgäste von Nessi 2 wird das bestimmt eine interessante Erfahrung. Und sollte es doch ein Problem geben, oder der Bus nicht den kompletten Tag durchhalten, dann stehen die normalen Diesel-Nessis als Ersatz parat.

 

Nach dem Probelauf mit dem Elektro-Bus hofft Schlagmüller, dass es im Lauf dieses Jahres möglich wird, noch den einen oder anderen Bus mit einem alternativen Antriebskonzept zu bekommen. Ebenfalls um ihn unter echten Einsatzbedingungen im Linienverkehr zu testen.

 

Elektrobus aus der Türkei

 

Bozankaya ist eine Firma in der Türkei. Sie liefert die Rohkarossen für die elektrischen Sileo-Busse nach Salzgitter in Deutschland zur Tochterfirma TCV. Dort werden die technischen Komponenten wie Antrieb und Akkus in das 10,7 Meter lange Fahrzeug eingebaut. Ein Großteil der Wertschöpfung geschehe also in Deutschland, so Andreas Schlagmüller von den Stadtwerken. Ein kompletter E-Bus aus deutscher Fertigung sei derzeit nicht auf dem Markt. Hersteller wie Mercedes oder MAN hätten auf andere Antriebskonzepte gesetzt und seien beim reinen Elektrobetrieb für einen Omnibus noch nicht so weit.

 

Quelle: Mainpost, Hubert Herbert