07.05.2014 | Auf den Generator kommt es an

Die Firma FGB forscht mit eigenem Windrad an besserem Wirkungsgrad

Liefert grünen Strom: das bislang einzige Windrad des Landkreises auf dem Gelände der Firma Steinbach. Foto: Michael Petzold

Trotz langjähriger Bemühungen gibt es im Landkreis Rhön-Grabfeld noch kein einziges Windrad. So ganz stimmt die Behauptung nicht. Immerhin ein Exemplar steht auf dem Gelände der Firma Steinbach direkt an der Strahlunger Straße. Dass es dennoch weitgehend unbemerkt geblieben ist, liegt vor allem an seinen geringen Abmessungen.

Gerade einmal 24 Meter misst das in einer kleinen Senke fundamentierte Windrad bis zur Nabenhöhe, ein Winzling gegenüber den bis zu samt Rotorblättern 190 Meter hohen Riesen, die sich am Horizont im Nachbarlandkreis Bad Kissingen erheben.

„Uns geht es weniger um die Strommenge“, sagt Thorsten Steinbach, der zusammen mit seinem Cousin Michael Steinbach die auf Sonderanfertigungen spezialisierte Firma FGB Fertigungsgerätebau leitet. Das Windrad ist vielmehr der nach außen hin sichtbare Teil eines Projektes im Zusammenhang mit der Installierung von Bad Neustadt zur ersten Modellstadt für Elektromobilität in Bayern.

Der reine grüne Strom

Steinbach verfolgt mit seinem Projekt, das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wird, in erster Linie zwei Ansätze. Zum einen geht es um Erzeugung und Speicherung von „grünem Strom“ und die Nutzung der Energie durch zwei firmeneigene Elektroautos. Noch wichtiger ist Steinbach aber die Optimierung des Generators, der quasi das Herzstück der Anlage ist.

Ein Feld, auf dem das 1970 gegründete Unternehmen große Erfahrung besitzt. Wie Steinbach im Gespräch mit der Main-Post erklärte, geht es darum, die mit einem höheren Wirkungsgrad ausgestatteten firmeneigenen Generatorenentwicklungen auf die Dimensionen der Windkraftanlage anzupassen.

Zurzeit ist das erste von mehreren Modellen fertiggestellt und wird außerhalb des Windrades getestet. Wegen der aufwändigen Installation wird am Schluss aber nur der beste Generator eingebaut. Also jener, der bei vergleichbaren Windgeschwindigkeiten am meisten Leistung liefert. Das soll Anfang nächsten Jahres in Angriff genommen werden, weil das Projekt dann Ende 2015 ausläuft. Die größte Problematik besteht für Steinbach in der Speicherung des durch Windkraft gewonnenen Stroms. 100 Kilowatt beträgt die Kapazität der acht großformatigen Behälter. Um sie zu füllen, muss das Windrad etwa zehn Stunden im Vollbetrieb laufen. Was in der Praxis oft gar nicht so einfach ist.

Mit der dort gespeicherten Energie werden jene Tage kompensiert, an denen zwischen Salz und Strahlungen Flaute herrscht. Denn schließlich sollen die Elektroautos mit einer Reichweite von gut 130 Kilometern auch dann genutzt werden können. Der Standort selbst gilt als eher windarm, zudem müssen wegen des im nahen Wald lebenden Uhus nachts die Rotoren ruhen.

Schon allein deswegen ist klar, dass bei dem Betrieb des Windrades wirtschaftliche Interessen zweitrangige Bedeutung haben. Eine sinnvolle Ergänzung könnte die neue Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Firma schaffen, die gerade erweitert wird. Doch die ist noch nicht in Betrieb und auch nicht Gegenstand des geförderten Projekts.

Auf ein „richtiges“ Windrad, mit dem megawattweise Strom erzeugt und auch Geld verdient werden kann, muss man im Landkreis mit der ersten Elektromobilitätsstadt des Freistaates also noch länger warten.

 

Quelle: Mainpost