03.05.2013 | Auto liefert Strom für die Firma

Modellprojekt bei Jopp will neue Wege des Energieflusses untersuchen

Spezial-Parkplätze: In Bad Neustadt bei Jopp bald keine Seltenheit – auf solchen Stellplätzen kann Strom über den Auto-Akku für die Firma bereitgestellt werden.

32 Elektroautos sind laut Zulassungsstelle im Landkreis Rhön-Grabfeld angemeldet. Demnächst werden es eine Reihe mehr sein. Nachdem Wirtschaftsminister Martin Zeil bei der Eröffnung der Fahrzeugmesse für E-Mobilität den Förderbescheid überreicht hatte, wird die Firma Jopp sich eine kleine Flotte von Elektroautos zulegen. Die Fahrzeuge sind Teil eines Modellversuchs, dessen Ergebnis – so hoffen zumindest die Beteiligten – später einmal in die Weiterentwicklung eines effizienten Energiekonzepts einfließen wird.

Wie viele Autos jetzt angeschafft werden, kann Firmenchef Hubert Büchs noch gar nicht genau sagen, an die zehn werden es voraussichtlich sein. Die Stromer werden an Mitarbeiter zur privaten Nutzung ausgegeben. Voraussetzung ist aber, dass die Mitarbeiter mit dem Fahrzeug zur Arbeit fahren und dort Ladung in das Energiesystem des Unternehmens einbringen. Das heißt: Die Fahrzeuge werden im Betrieb nicht nur geladen, sondern – bei Bedarf – auch deren Akkus entladen, so dass deren Strom für die Produktion zur Verfügung steht.

Industrieunternehmen haben nicht einen gleichmäßigen Verbrauch, sondern zu bestimmten Zeiten einen deutlich höheren Bedarf, erklärt Büchs. Diese Spitzen werden durch die Versorgungsunternehmen gedeckt, aber zu einem sehr hohen Preis. Um sie aufzufangen, werden eigene Kraftwerke betrieben, die tatsächlich nur bei Bedarf anspringen und somit meist stillstehen. Bei Jopp ist etwa um 9 Uhr morgens der höchste Stromverbrauch, der besonders teuer bezahlt werden muss.

Einen Teil des benötigten Stroms sollen nun die Akkus der Elektroautos decken. Dafür müssen sie zunächst in die Lage versetzt werden, ihre Ladung ins Netz abzugeben und damit Maschinen zu betreiben. Das einfache Prinzip: „Wenn der Strom billig ist, werden die Fahrzeuge geladen, wenn er teuer ist, geben sie Strom ab“.

Es sind keine gewaltigen Beträge, die das Unternehmen einspart, beteuert Professor Ansgar Ackva, Leiter des Technologietransferzentrums. Doch er rechnet einmal hoch: Wenn tatsächlich einmal die von der Bundeskanzlerin prognostizierte Zahl von einer Million Elektroautos auf den Straßen rollen und ähnlich eingesetzt werden – selbst im privaten Haushalt wäre ein ähnliches System denkbar – könnten Kraftwerke eingespart werden.

Er selbst investiere bei dem auf zwei Jahre angesetzten Modellversuch deutlich mehr, als durch die Förderung abgedeckt werde, versichert Büchs. Zwar erhalte er die Höchstförderung von 50 Prozent, doch nur der förderfähigen Kosten. Die wirklichen Investitionen liegen weit höher, so dass im Endeffekt etwa ein Achtel der Gesamtkosten durch den staatlichen Zuschuss getragen werden.

Der wirtschaftliche Aspekt ist aber nur einer unter mehreren die untersucht werden, so Projektmanager Sebastian Martin. An dem Versuch ist außerdem das Überlandwerk beteiligt. Es lernt, wie das System des Be- und Entladens zu handhaben ist. Darüber hinaus kümmert sich ein Unternehmen aus Nürnberg um die Entwicklung der Be- und Entladetechnik. Parallel dazu führt das TTZ eine Akzeptanzstudie bei den Mitarbeitern durch, um daraus Schlüsse zu ziehen, wie das Elektroauto der Bevölkerung näher gebracht werden kann.

Die Förderzusage hat für Martin aber einen noch ganz anderen Effekt. Die Modellstadt sei für die Region zwar eine große Chance, „was aber ist, wenn nach zwei Jahren der Dauer des Versuchs nichts passiert ist“? Da hat der Projektmanager noch einige Eisen im Feuer, so dass demnächst weitere Bescheide eintreffen dürften.

Quelle: Mainpost - Eckhard Heise