04.05.2012 Dem Elektroauto auf der Spur

Tut sich zu wenig in Sachen Elektromobilität? Eine regionale Bestandsaufnahme bei der IHK macht Hoffnung

Akku leer: Ein Elektroauto von Mercedes wird einem gelben Stromkabel an einer Ladesäule geladen

Die Elektromobilität findet per Aufzug statt. Um in den dritten Stock der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Würzburg zu kommen, lassen die meisten Teilnehmer die Treppe links liegen und nehmen den Lift. Im Hof parken Dienstwagen mit Verbrennungsmotoren. Nur der Elektro-Lieferwagen der IHK und zwei Toyota Prius signalisieren: Es geht ums Thema E-Mobilität. Seit zwei Jahren wird viel über sie geredet – allzu viel Greifbares aber gibt es nicht. Immerhin: Der Zufall will es, dass es am Freitag die Unternehmensberatung McKinsey ihren internationalen E-Mobilitätsindex vorlegt. Und hier hat Deutschland China überholt. Geht also doch was bei der E-Mobilität? Am Freitag nahmen sich Vertreter von Kommunen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus ganz Mainfranken einige Stunden Zeit für eine Bestandsaufnahme. Doch der Tag bei der IHK zeigt auch das Dilemma einer neuen Technologie, von der alle reden, die viele gut finden – die aber im Alltag nach wie vor kaum stattfindet.

Ausländische Hersteller vorn

Dabei mangelt es nicht an Erkenntnissen und gutem Willen. Ob der Vertreter des bayerischen Wirtschaftsministeriums oder der Experte vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin – sie präsentieren detailreich den Stand der Dinge, Zahlen über Zahlen füllen die Leinwand. Die Botschaft: Deutschland – und natürlich Bayern – macht in Sachen Energiewende niemand was vor. Fotos von E-Autos aber sind nicht zu sehen. Sebastian Boley vom DIHK sagt es so: „Was uns als Automobilland schon zu denken geben sollte, dass die ausländischen Hersteller bei alternativen Antrieben derzeit einen Anteil von 82 Prozent haben“. Automobilhersteller gibt es in Mainfranken nicht. Aber eine Menge Aktivitäten in Sachen E-Mobilität. Und die stellt Hubert P. Büchs vor, der Chef des Bad Neustadter Automobilzulieferers Jopp und Vorsitzender des Fördervereins M-E-NES.  Dahinter verbirgt sich die Modellstadt Elektromobilität Bad Neustadt, eines von drei mit insgesamt 30 Millionen Euro geförderten Projekten in Bayern. Doch E-Mobilität sei ein Thema für die ganze Region, sagt Büchs.

Forschung in der Region stärken

Dabei gehe es darum, den Forschungsstandort Mainfranken zu stärken, die Fachkräftegewinnung zu forcieren und Kooperationen anzustoßen. Nicht zuletzt müsse man Elektromobilität im Straßenverkehr sichtbar machen. „Es müssen ein paar Autos rum fahren“. In der Wirtschaft sei man weiter. Hier stehe die neue Technologie für eine große Herausforderung, aber auch für eine Chance. So werde der Anteil der, in Mainfranken stark vertretenen Zulieferer an der Wertschöpfung im Automobilbau bei der Umstellung auf E-Mobile weiter zunehmen, rechnet Büchs vor. „Und das bedeutet auch: Es gibt mehr Arbeitsplätze“. Darauf setzt auch Professor Bernhard Arndt, Vizepräsident der Fachhochschule (FH) Würzburg-Schweinfurt. Er stellt das neue Technologietransferzentrum für E-Mobilität der FH in Bad Neustadt vor. Und von der berechtigten Hoffnung auf Forschungs- und Entwicklungsaufträge.

Zweite Fahrzeuggeneration

Und dabei geht es nicht zuletzt um Batterietechnik. Hierüber spricht Volker Trapp vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg, das seit Jahren an der Batterietechnik der Zukunft forsche. Volker Scheuch vom Würzburger Autozulieferer Intedis schließlich stellt das Projekt „eFuture“ vor: Es stehe für „E-Fahrzeuge der zweiten Generation“. Und so geht der Tag zu Ende. Mainfranken, soweit das Fazit, mag nicht das Zentrum der E-Mobilität sein, kann aber gut mitmischen bei einer Technologie, die laut McKinsey im Jahr 2020 für einen weltweiten Umsatz von 470 Milliarden Euro gut sein soll.


Von Parallelhybrid bis Plug-in-Hybrid: Die verschiedenen Bauarten der E-Mobilität

Sie bieten durchaus bestechende Vorteile: Elektromotoren haben einen hervorragenden Wirkungsgrad und einen linearen Drehmomentverlauf, so dass kein Getriebe mehr benötigt ist. Die Probleme beim Speichern von elektrischer Energie machen für vollwertige Pkw auf absehbare Zeit noch Mischlösungen notwendig, bei denen ein Elektro- und ein Verbrennungsmotor sich die Arbeit teilen. Man nennt das hybride Antriebstechnik, oder: Hybrid.

Folgende Varianten gibt es: • Parallelhybrid: Hierbei wird ein Fahrzeug entweder mit dem Verbrennungs- oder dem Elektromotor angetrieben. Oder mit einem Mix aus beiden.

• Serieller-Hybrid: Hier ist nur der Elektromotor für den Antrieb zuständig und der Verbrennungsmotor produziert über einen Generator den nötigen Strom.

• Vollhybrid: Hier lässt sich eine gewisse Strecke ausschließlich mit Elektroantrieb zurücklegen.

• Mildhybrid: Hier läuft immer der Verbrennungsmotor, der Elektroantrieb unterstützt, etwa bei der Rückgewinnung von Bremsenergie (Rekuperation).

• Plug-in-Hybrid: Kennzeichen ist eine große Batterie, die ein Aufladen an einer Steckdose möglich macht.


M-E-NES e.V.: Die Modellstadt Elektromobilität Bad Neustadt a.d. Saale

 

Quelle: Mainpost