26.11.2013 | Der Wandel in der Autobranche hat begonnen

Expertenrunde beschäftigte sich auf Einladung der IG-Metall mit den Antriebstechnologien der Zukunft

Podiumsdiskussion der IG Metall mit (von links): Andrea Fehrmann, Peter Kippes, Oliver Mauer, Robert Grebner, Norbert Lenhard und Klaus Mertens

„Die Rhön steht auf – und fährt elektrisch.“ Unter diesem Motto hatte die IG Metall zu einer zweitägigen Großveranstaltung ins Rhön-Gymnasium eingeladen. Zum Auftakt beschäftigte sich eine Expertenrunde mit der Frage, welche Herausforderungen für die Region damit verbunden sind.

Dass es nicht so einfach werde, Benziner gegen elektrisch betriebene Fahrzeuge einzutauschen, war allen klar. Denn E-Mobilität bedeute die „Neuerfindung“ des herkömmlichen Autos mit einer technischen Neuausrichtung vom Antriebsstrang über die Karosserietechnik bis hin zur Bordelektronik, so Peter Kippes, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt.

Alle betrieblichen Funktionsbereiche werden diesen Wandel spüren. In der Automobilbranche hat er bereits begonnen, ein weiterer Umbruch ist garantiert, sollte der Verbrennungsmotor ganz oder teilweise durch den Elektromotor ersetzt werden. Kippes erinnerte an die Auseinandersetzung bei Siemens im Jahr 2010, die aufzeigte, wie wichtig es ist, nachhaltig Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Die hiesige Region hatte das Potenzial, das zukunftsweisende Thema Elektromobilität voranzubringen. Ein Ergebnis war die Gründung der „Initiative Elektromobilität Bayern“, die gemeinsam von der IG Metall, Staatsregierung und Arbeitnehmerverbänden, sowie Hochschulen und Kammern getragen wird, erinnerte er.

Es sei daher nur konsequent gewesen, Bad Neustadt als Modellregion Elektromobilität auszuweisen und damit das Know-how der hier ansässigen Unternehmen und Beschäftigten zu nutzen. Der Wandel in der Automobilbranche habe bereits begonnen, höchste Zeit also, den Umbau der Wertschöpfung mitzugestalten. Über „Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette“ sprach Horst Wiedmann, Executive Vice President, Leiter Materialwirtschaft ZF Konzern, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

Ein kleiner Film zeige eingangs nicht nur eine Fülle von Veränderungen, sondern auch deren verblüffendes Tempo. „Das wirtschaftliche Wachstum findet in Asien statt“, resümierte Wiedmann. In Europa seien vorwiegend Innovationen gefragt. 2012 lag Deutschland einsam an der Spitze der Innovationen.

Während in Deutschland 50 000 Ingenieure arbeiten, seien es in China inzwischen zwei Millionen. Die Zeiten, in denen in China nachgebaut und „abgekupfert“ wurde, seien längst vorbei. Zu schaffen mache allen die zunehmende Umweltverschmutzung und der weltweite Klimawandel. „Greensourcing“ nannte Wiedemann als Megathema der Zukunft. Vorbei seien die Zeiten, in denen der günstigste Anbieter den Zuschlag bekomme. Sein Unternehmen ZF achte beim Einkauf schon heute streng auf Nachhaltigkeit als Gesamtkriterium.

Der Podiumsdiskussion stellten sich neben Peter Kippes, Norbert Lenhard (auch Betriebsratsvorsitzender Schaeffler Technologies Schweinfurt), Klaus Mertens (wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der ZF Friedrichshafen AG, Standort Schweinfurt), Oliver Mauer (Betriebsrat Siemens AG, Bad Neustadt) und Professor Robert Grebner (Präsident der FH Würzburg/Schweinfurt). Moderiert wurde sie von Andrea Fehrmann (IG Metall Bayern).

Mauer resümierte den derzeitigen Stand bei Siemens. Die Mitarbeiterzahlen seien konstant geblieben seit 2010, dafür sei eine neue Ausbildungswerkstatt geschaffen worden. Jetzt müsse man sehen, was der Markt hergibt. Zwar brauche es einen langen Atem, so Lenhard, der sich gleichzeitig zuversichtlich gab: „Wälzlager werden überall gebraucht, wo sich Teile drehen, besonders dann, wenn dies energiesparend in einem Elektrofahrzeug geschehen soll.“

Grebner stellte die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt vor allem als „Wissensbetrieb“ vor, der die Forschung voranbringen und sich noch stärker in der Region vernetzen müsse, wie es mit dem TTZ in Bad Neustadt geschehe. Für Peter Kippes, auch Aufsichtsratsmitglied bei ZF, ist eine offene und faire Kommunikation entscheidend sowie die Übernahme von Verantwortung und Gemeinsamkeit.

Klaus Mertens erinnerte an die Endlichkeit von Rohstoffen, nicht zuletzt wegen des riesigen Bedarfs aufsteigender Volkswirtschaften in Asien. Bürgermeister Bruno Altrichter, zwar nicht auf dem Podium, dennoch zu Wort gekommen, forderte politische Rahmenbedingungen. Kommunen alleine könnten den Wandel nicht schultern. Besonders freute er sich über die neue Bildungskompetenz in Sachen Elektromobilität in Bad Neustadt.

Und wie sieht Bad Neustadt im Jahr 2025 aus? „Nicht viel anders als heute“, meinten ernsthafte Statements. Die anderen brauchen an dieser Stelle sicherlich nicht wiedergegeben zu werden.

 

Quelle: Mainpost