13.12.2012 |Drei Modellregionen, drei Modellkonzepte

Die drei bayerischen Modellregionen für Elektromobilität wollen künftig enger zusammenarbeiten

Bad Neustadt ist die erste bayerische Modellstadt für Elektromobilität. Aber nicht die Einzige. Auch im Bayerischen Wald und in Garmisch-Partenkirchen gibt es eine Modellregion beziehungsweise eine Modellstadt. In Kempten trafen sich die drei Vorreiter in Sachen E-Mobilität zu einem ausführlichen Austausch während eines Statusseminars. Und natürlich, um ihren Willen zu bekunden, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten. 

Zwar sind immer noch die Forschungsschwerpunkte des insgesamt 30 Millionen Euro-Projektes des Freistaates Bayern nicht offiziell genannt, dennoch kann man beim Blick auf die beantragten Projektskizzen schon genau erkennen, wohin die elektromobile Reise in der jeweiligen Region geht. Projektmanager Sebastian Martin (Bad Neustadt) war selbstverständlich in Kempten vor Ort, um dort die Bad Neustädter Ideen für die nordbayerische Modellstadt zu präsentieren. Während in Garmisch-Partenkirchen wie auch im Bayerischen E-Wald bereits bestehende Elektroautoflotten zum Einsatz kommen, geht Bad Neustadt den Weg von Forschung und Entwicklung. „Wir machen nachhaltige Technologie für die Zukunft“, sagt Sebastian Martin mit Blick auf die hauseigenen Anträge. 

In Garmisch-Partenkirchen wird die Elektromobilität selbstverständlich mit dem Tourismus in Einklang zu bringen sein. Die Erforschung von Ladestationen sowie Ladezyklen von Elektroautos stehen im Vordergrund. Zudem wird eine Reihe von E-Minis des bayerischen Herstellers BMW zur Verfügung stehen, damit Touristen damit fahren können. Auch Audi beteiligt sich mit seinen neuen e-trons an der Modellstadt und will diese mit Strom aus Sonnenkraft im Projekt „Sun2Car“ versorgen. Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen in der bayerischen Tourismusmetropole ist die „Smart Mobility“, also die Verknüpfung von Elektrofahrzeugen in ein neu zu erdenkendes Mobilitätskonzept. 

Die Mobilität im ländlichen Raum neu und rein elektrisch überdenken, das ist auch der Schwerpunkt der Modellregion Bayerischer E-Wald. Eine komplette Ladeinfrastruktur soll in einem rund 7.000 Quadratkilometer großen Gebiet entstehen. „Wo immer ein Elektroauto im Bayerischen Wald hinfährt“, sagt Sebastian Martin, „soll es auch eine Ladestation finden.“ Dazu braucht es selbstverständlich auch eine Flotte an Fahrzeugen, die ebenfalls aus der E-Mini-Werkstatt von BMW kommen wird. „Allerdings sind diese Fahrzeuge im Durchschnitt schon vier Jahre alt“, gibt Martin zu bedenken. 

Dass ein Flottenversuch für die Modellstadt Bad Neustadt nicht in Frage kam, das steht schon seit langem fest. Bleibt also mehr Raum für die Forschung und Entwicklung gänzlich neuer Systeme und Konzepte. Als Beispiele führt Sebastian Martin das Konzept der Firma FGB Steinbach in Salz an, die mit Hilfe von Miniwindkraftanlagen den Strom für ihre Elektroautos generieren möchte. Das bidirektionale Laden der E-Fahrzeuge bei der Jopp GmbH, das Pendler-E-Bike, das vom Fraunhofer-Institut in Würzburg neu durchdacht wird, sind nur zwei der weiteren avisierten Projekte in Bad Neustadt. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Elektromobilität ebenso, die in keiner anderen der Modellregionen so vehement vorangetrieben wird wie in Bad Neustadt. Sebastian Martin: „In Sachen Bildung für Elektromobilität wollen wir die Nummer eins in Bayern werden.“ Das größte Projekte der Modellstadt Bad Neustadt wird gemeinsam mit der Firma Siemens das modulare Strukturkonzept für die Energiewirtschaft im ländlichen Raum sein. Diesem Projekt wird nach Ansicht von Sebastian Martin künftig höchste Priorität eingeräumt. 

In den kommenden Jahren wollen sich die drei Modellregionen eng zusammen schließen, um gegenseitig von den Fortschritten in der Elektromobilität zu profitieren. Nächstes Jahr wird es in Bad Neustadt wieder eine Fahrzeugschau geben, verspricht der Projektmanager. Und 2014 treffen sich die Modellregionen in Bad Neustadt zu ihrem Statusseminar. 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer