06.09.2012 | E-Bike im Selbstversuch: Die neue Leichtigkeit

Wie man ganz ohne müde Beine viel von der Region erleben kann

Mit Tempo durch die Natur: Mit einem E-Bike erreicht man Geschwindigkeiten, die mit einem herkömmlichen Fahrrad nur mit viel Anstrengung zu erreichen wären.

Leise surrt der Motor bei jedem Tritt in die Pedale des Elektrofahrrads. Leicht und ohne große Anstrengung nehmen wir den nächsten Anstieg. Am Gipfel angekommen, bietet sich uns ein herrlicher Rundblick auf die bayerische und thüringische Rhön. E-Bikes setzen sich immer mehr durch und werden auch zunehmend günstiger.

Gerade in bergigen Regionen, wie der Rhön, können sie eine echte Erleichterung sein. Anfangs hatten E-Bike das Image, ein Fahrrad für Senioren zu sein. Mittlerweile gibt es Tourenräder, Mountainbikes und Rennräder mit Elektromotor. Es ist an der Zeit, sich selbst einmal auf den Sattel zu schwingen und die Gegend um Bad Neustadt mit dem E-Bike zu erkunden.

Unterstützung kommt dabei von Stadtführer Josef-Philipp Öchsner, der Bad Neustadt wie seine Westentasche kennt. An einem Nachmittag bei schönem Wetter treffen wir uns zur Ausfahrt. Mal schauen, wie sich das Elektro-Tourenrad mit einer Leistung von 250 Watt schlägt. Für mich ist es die erste Fahrt mit einem E-Bike. Batterie am Fahrrad anschalten, in den Fahrmodus „Tour“ schalten und schon geht es am Festplatz los in Richtung Mühlbach.

Schon bei den ersten Tritten in die Pedale merkt man die Unterstützung des Motors. Leichten Trittes sausen wir gen Osten über die Mühlbacher Brücke. In Mühlbach angekommen, führt die Tour weiter bergauf durch den Löriether Graben nach Lörieth. In Unterstützungsstufe eins lässt sich der kleine Anstieg leicht meistern. Lockeren Trittes ist eine Unterhaltung ist auch bergauf leicht möglich. Der pensionierte Lehrer ist nicht nur mein Begleiter auf der Tour mit dem Elektro-Fahrrad, sondern auch Stadtführer. „Hier halten wir mal an“, sagt Öchsner und erzählt am Löriether Backhaus Kurzweiliges über den kleinen Ort.

Wie meistert das Elektrofahrrad den nächsten Berg? In Stufe eins muss man schon ordentlich Kraft aufwenden, um die Geschwindigkeit zu halten. In Stufe zwei geht es schon einfacher und in Stufe drei fährt man problemlos ohne jede Anstrengung den Berg hinauf. Allerdings bekommt das der Akku zu spüren. Die Kilometerreichweite nimmt in Stufe drei spürbar ab. Ein paar Kilometer liegen noch vor uns und das E-Bike ohne Motorunterstützung zu fahren, ist bei einem 20 Kilo schweren Fahrrad kein Vergnügen. Also wieder in Unterstützungsstufe zwei herunter schalten. Zwei Kilometer geht der Flurweg bergauf, mit einem normalen Fahrrad wäre man sicher außer Puste. Mit dem Elektrofahrrad unter dem Sattel radeln wir gemütlich, ohne angestrengt zu sein, durch die letzten Ausläufer der Rhön.

Am Gipfel angekommen, genießt man einen wunderbaren Rundblick über die bayerische und thüringische Rhön und Rödelmaier. Der Kreuzberg mit seinem markanten Sendemast ist gut zu erkennen, links von ihm die Schwarzen Berge mit der Platzer Kuppe, rechts vom heiligen Berg der Franken schließt sich das flache Plateau mit der Hochrhön an. Bei der Orientierung hilft auch eine Tafel, die die Reservistenkameradschaft errichtet hat. „Da drüben sind die Gleichberge in der thüringischen Rhön“, erklärt Öchsner. Dort standen zu Zeiten des Eisernen Vorhangs große Lauschanlagen der Russen. „Das Pendant zur Wasserkuppe“, weiß der Stadtführer.

Bergab geht es Richtung Dürrnhof und durch den Wald zur Salzburg. Auf dem unebenen, leicht ansteigenden Waldboden kann das Elektrofahrrad seine Vorzüge zeigen. Hier zeigt sich aber wieder der Nachteil des E-Bikes: Viel Motorenunterstützung frisst viel Akkuleistung. Nur noch für vier Kilometer soll die Unterstützung reichen. Station auf der Salzburg: Öchsner weiß viel über ihre Geschichte zu erzählen. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Am Rhön-Klinikum vorbei, durch Herschfeld, in der Saaleaue zurück in die Stadt.

Jetzt noch mal mit Vollgas und voller Unterstützungsintensität in die Pedale treten. Bei 27 km/h bleibt der Geschwindigkeitszähler stehen, schneller fährt das Rad nicht – die Unterstützung des Motors ist abgeriegelt. Nach der Tour steht fest: E-Bikes sind keinesfalls nur Fahrräder für Senioren. Es macht einfach Spaß, mit elektronischer Unterstützung auch Steigungen mühelos zu überwinden und mit leichtem Tritt in die Pedale durch die Gegend zu fahren. Allein der Preis des Fahrrads von knapp 2400 Euro schreckt vor der Anschaffung ab. Quelle: Mainpost