14.04.2012Elektrobremsen

Neues aus der Heimat

Die Menschen unserer Heimat blicken voller Optimismus in eine elektrophile Zukunft. Das müssen sie auch! Im vergangenen Jahr betrug der Anteil von Elektrofahrzeugen bei den Neuzulassungen in Deutschland knapp 0,7 Promille. Eine stolze Zahl! Wenn es so weiter geht, werden in nur 450 Jahren eine Million „Stromer“ die Staus der Zukunft verursachen. Sicher, die Bundeskanzlerin will diese Marke schon etwas früher toppen. Im Jahr 2020 genauer gesagt. Aber es gibt eben noch Anlaufschwierigkeiten. Trotzdem: Was für eine Erfolgsgeschichte! Denken Sie nur an die Flitzer von „Smiles“ aus Aub (Insolvenz 2012), die Kleintransporter der Sälzer Firma „e-trikes“ (Insolvenz 2011) oder die Fahrzeuge des norwegischen Herstellers „Think Global“ (Insolvenz 2011). Und dann jener „Traum auf Rädern“, der die E-Mobilität erst so richtig „sexy“ gemacht hat, der die Phantasie solventer älterer Herren ebenso anregt, wie die, spätpubertierender Raser: Der legendäre „Tesla Roadster“ (118.000,- ohne MwSt). Auch seine Produktion wurde bekanntlich jetzt eingestellt. Wie gesagt: Eine Erfolgsstory. Allerdings könnte es besser laufen. Viel besser! Schuld an der quälend langsamen Elektrifizierung ist auch der ADAC. Dieser Fossilienverein des Erdölzeitalters, der mit seinem unsäglich albernen Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger!“ bekanntlich dazu beigetragen hat, dass wir das letzte Land auf Gottes Erden sind, in dem es auf Autobahnen kein Tempolimit gibt, sabotiert den Fortschritt auf allen Ebenen. Jüngstes Beispiel ist der so genannte „ADAC-EcoTest“. In diesem vermutlich von der Ölindustrie gesponserten Machwerk lassen „unabhängige Experten“ nichts unversucht, die elektromobile Idee in den Schmutz zu ziehen. Es ist eine Schande! Da wird zum Beispiel die kühne Behauptung aufgestellt, dass „Stromer“ mehr Kohlendioxid ausstoßen, als sparsame „Benziner“. Sie haben richtig gelesen! Als Begründung führt man an, dass „ein Großteil des Stroms bei uns auch künftig aus Kohle und Gas erzeugt wird“. Sicher, da mag etwas dran sein. Aber muss man sich darüber freuen? Öffentlich? Müssen diese „Fachleute“ auch noch die Verbrauchsangaben anzweifeln indem sie erklären, es handle sich um „reine Phantasiezahlen“? Mit eingeschaltetem Scheibenwischer und laufender Heizung verbrauchten E-Mobile nämlich bis zu 80 Prozent mehr Energie! Allzu weit kämen sie dann freilich nicht mehr. Der ADAC-Vize Thomas Burkhardt verstieg sich sogar zu der geradezu blasphemischen These, dass „der Elektro-Hype für die Umwelt nichts bringt“! Man muss sich das vorstellen! Ja, wozu hat man uns denn dann zur „Modellstadt“ gemacht? Sollen die Autos von morgen trotz Erderwärmung vielleicht ohne Radio und Klimaanlage durch die Gegend fahren? Und was bitteschön soll nach Ansicht dieses sauberen Herren denn dann in „Neuscht“ überhaupt noch produziert werden? „Smart Grids“ vielleicht? Lächerlich! Fehlt nur noch, dass der ADAC fordert, in 50 Jahren sollten alle Deutschen Rad fahren. Ehrlich: Wir müssen uns andere Experten suchen. Dringend! Die alten bringen es nicht mehr. In puncto „Auto“ regieren hierzulande die niederen Instinkte! Orientieren wir uns lieber an Dänemark. Dort brummt die E-Mobilität! Dort verwendet man die Fördergelder allerdings auch etwas anders. Man schafft „Kaufanreize! Jawohl! Jeder Bürger erhält dort vom Staat beim Kauf eines „Stromers“ bis zu 17.500 Euro Zuschuss. Und schon flutscht die Sache. Mit Gewalt geht alles! Das können wir uns natürlich nicht leisten. Armes Deutschland! Dafür gibt es bei uns „beschulbare Infrastruktur“ und „gebündelte Kompetenzen“. Auch nicht schlecht!

 

Quelle: Rhön- und Saalpost, Bad Neustadt