11.12.2012 |Erste Lorbeeren für E-Mobilität

Seminar der Modellregionen: Bad Neustädter hatten „schnellsten und besten Antrag“

Elektrisch tanken: Der Stecker, der künftig auch in Bad Neustadt die Energie fürs Fahrzeug liefert. Foto: Marija Murat/dpa
Zukunftsmusik: Den Elektro-Kleintransporter gibt es schon (im Bild in Essen). Vielleicht ist er bald bei hiesigen Firmen im Einsatz.

Das E-Mobil kennt jeder. Es ist noch eine Innovation, aber schon zum Anfassen. Doch was sich alles hinter dem Thema „Elektromobilität“ verbirgt, ist für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln. Das Manager-Team von M-E-NES will dem theoretischen Begriff endlich Leben einhauchen. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist die Tatsache, dass einzelne Firmen Projekte ausarbeiteten und zur Förderung in München einreichten. Bei einem Seminar der bayerischen Modellregionen stellten die Bad Neustädter vor, was sie „drauf“ haben – und ernteten die ersten Früchte ihrer Arbeit.

Zwei Tage lang, vom 6. bis 7. Dezember 2012, dauerte das Strukturseminar an der Fachhochschule Kempten, bei dem rund 70 Personen zum Gedankenaustausch zusammenkamen. Geladen waren dort neben den Bad Neustädtern auch Repräsentanten der anderen beiden Modellregionen Bayerischer Wald und Garmisch Partenkirchen. Jeder nannte seine Kompetenzen und stellte die Projekte vor. „Es ging darum, sich abzugrenzen, aber auch zu ergänzen“, sagt M-E-NES-Manager Sebastian Martin im Gespräch mit der Main-Post. Für Bad Neustadt sei die Tagung „sehr hilfreich“ gewesen.

Mehrere Bad Neustädter Firmen warten derzeit auf den Bewilligungsbescheid des Freistaats. Denn insgesamt stellte das Wirtschaftsministerium für Projekte aus dem Bereich Elektromobilität 37,5 Millionen an Fördermitteln in Aussicht. Davon könnten sieben Millionen Euro nach Bad Neustadt fließen. So tüftelt man zum Beispiel bei der Sälzer Firma Fertigungsgerätebau (FGB) Steinbach gerade an der Konstruktion regenerativer Energieanlagen, die Strom für Elektromobile erzeugen können.

Mehrere Förderanträge

Dabei geht es laut Martin um einen Windkraft-Generator, den Kommunen, Industrieunternehmen, aber auch Handelsbetriebe nutzen können. Ein Vertreter des Ministeriums nannte diesen Antrag den „schnellsten und besten“ in dieser Sache, sagt der Projektmanager und freut sich über den Anfangserfolg: „Da können wir uns auch mal auf die Schulter klopfen, weil wir schon etwas erreicht haben.“

Auch der Förderantrag des Autozulieferers Jopp (Herschfeld) kam in München sehr gut an, so Martin. Die Firma, die unter anderem Getriebeschaltungssysteme, Schaltgriffe und Kunststoffbaugruppen entwickelt und produziert, will sich jetzt zusätzlich darauf kaprizieren, Elektrofahrzeuge als nächtliche Energiespeicher zu nutzen. Denn Unternehmen haben meist mittags den höchsten Strombedarf, so der Diplom-Ingenieur. „Mit diesem Projekt kann man die Stromspitze abschneiden.“ Das Ministerium signalisierte großes Interesse. „Es ist für uns wichtig, dass wir endlich Lorbeeren ernten und uns auf gewisse Ziele zubewegen.“

Das Konzept der Firma Siemens (Bad Neustadt) hat die Energieläufe einer gesamten Region im Blick, denn künftig wird, zum Beispiel durch Windräder, wesentlich mehr Strom gleichzeitig von allen erzeugt werden. Die Idee: Man könnte die Energie bunkern, beispielsweise Kühlhäuser als Speicher benutzen.

Car-Sharing und Tourismus sind Themen, die in Bad Neustadt nur am Rand behandelt werden, aber in den Konzepten der Partner aus dem Bayerischen Wald und Garmisch-Partenkirchen eine tragende Rolle spielen, weiß Martin. Dafür können die Neustädter als einzige mit dem Thema Bildung punkten. 2010 startete man an der Berufsschule mit Wahlkursen zur Elektromobilität. Besonders stolz sind die Rhön-Grabfelder aber auf die Technikerschule, die jetzt im ersten Jahr läuft (2012/13).

Nicht weniger interessant ist das neue Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ), das es seit kurzem an der Berufsschule gibt. Dort sollen solche Wirtschaftsprojekte wissenschaftlich begleitet werden. Die Neustädter Firmen und Einrichtungen im M-E-NES-Verbund finanzierten dafür sogar gemeinsam eine Stiftungsprofessur. Ansgar Ackva trat diese Position am 1. August 2012 an.

An den bereits erwähnten Projekten von Jopp und Siemens ist das TTZ intensiv beteiligt, sagt Ackva auf Anfrage. Aber auch einen Vorstoß der Schweinfurter Firma Winora wollen die Ingenieure fundiert begleiten. Die Anträge für die Projekte liegen in München. Ackva hofft, dass sie im ersten Quartal 2013 bewilligt werden. Rechtzeitig müssen jetzt zu den aktuell tätigen fünf Mitarbeitern noch sechs neue (fünf Ingenieure und ein Techniker) eingestellt werden. Die Ausschreibungen laufen. Ackva hofft, dass die Ingenieure im Januar oder Februar mit der Arbeit beginnen können.

 

Quelle: Mainpost, Isolde Krapf