28.08.2014 | Fachmesse Eurobike: Fahrradbranche boomt dank Motorkraft

E-Bikes beflügeln den gesamten Markt – Schweinfurter Winora/Haibike-Gruppe setzt auf den Trend

Was Anfang der 90er Jahre als reine Mountainbike-Messe begann und damals von der Branche belächelt wurde, ist innerhalb von nur gut 20 Jahren zur weltgrößten Fachmesse der Fahrradbranche geworden: die Eurobike in Friedrichshafen. Seit Mittwoch präsentieren über 1300 Aussteller aus über 50 Nationen dem Fachpublikum ihre Neuheiten (der einzige Publikumstag ist Samstag) – und sie haben oft mit einem magischen Wort zu tun: E-Bike.

„Sie sind für den Fahrradhandel ein Geschenk“, sagt Georg Honkomp vom ZEG, dem größten Einkaufsverbund des deutschen Fahrradhandels. Denn die elektrischen Zweiräder sind, verglichen mit normalen Rädern, deutlich teurer und gelten zudem als erklärungsbedürftig. Deshalb blickt der Einzelhandel der Zweiradbranche relativ gelassen auf die Konkurrenz im Internet.

Dass das Radeln mit elektrischer Unterstützung weiter „in“ ist, liegt nach Ansicht der Branche auch daran, dass inzwischen alle Fahrradtypen, also auch Rennräder und Mountainbikes, mit E-Motor zu haben sind. Ein Trend, von dem nicht zuletzt auch Haibike profitiert: Die sportive Marke der Schweinfurter Winora-Gruppe (mit 4000 täglich produzierten Rädern einer der Marktführer) zeigt auf der Messe das erste Vollcarbon-Mittelmotor-Fully, also ein vollgefedertes Mountainbike mit hochwertigem Carbonrahmen und einem – fahrtechnisch günstiger als am Hinterrad – mittig platzierten Elektroantrieb. Preis des High-End-Rades: knapp 13 000 Euro. Doch es geht, so Sprecherin Isabel Eglseder gegenüber dieser Zeitung, auch deutlich günstiger: Bei der vor kurzem am Firmensitz vorgestellten E-Moutainbike-Linie SDURO ePerformance beginnen die Preise bei 1999 Euro.

Hochwertige E-Bikes haben ihren Preis. Wer derzeit ein E-Bike kauft, zahlt im Schnitt 2837 Euro – das sind 146 Euro mehr als im Vorjahr. Das ergab eine Studie der Internet-Marktübersicht für Elektrofahrräder www.e-bike-finder.com, die 1600 aktuelle Modelle ausgewertet hat. 93 Prozent der momentan angebotenen Elektrofahrräder sind dabei sogenannte Pedelecs, die nur bis 25 Kilometer pro Stunde per Motor beschleunigen – und rechtlich daher noch als klassisches Fahrrad gelten.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Deutschen Elektroräder vorwiegend für Touren und Trekking nutzen. Dieser E-Bike-Typ macht 40 Prozent aller Pedelecs und S-Pedelecs aus. Auch das City-E-Rad ist mit 36 Prozent stark vertreten. Aufholen konnten E-Mountainbikes, die zum Vorjahr um drei Prozent auf bereits zwölf Prozent Marktanteil zugelegt haben.

Ein Mittelmotor ist bei den Deutschen offenbar ein wichtiges Kaufkriterium, so eine weitere Studie, 78 Prozent der angebotenen E-Bikes sind damit ausgestattet. Heckmotoren machen 15 Prozent und Vorderradmotoren sieben Prozent des Marktes aus. Dabei ist Bosch eBike Systems der dominante Hersteller – mehr als die Hälfte aller E-Bikes (54 Prozent) werden von einem Bosch Mittelmotor angetrieben.

Das warme Wetter im Frühjahr hat der Fahrradbranche in diesem Jahr in der Tat kräftige Zuwächse beschert: Der Absatz sei von Januar bis Juni um rund vier Prozent auf rund 2,8 Millionen Fahrräder gestiegen, heißt es vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Der Umsatz habe – dank des steigenden Anteils der E-Bikes – sogar um bis zu acht Prozent zugelegt. Die Branche rechnet auch für die zweite Jahreshälfte damit, dass sich der positive Trend fortsetzt.

Nicht in jedem Land kommen E-Bikes übrigens so gut an, wie in Deutschland: Wer es sich etwa in China leisten kann, steigt laut Branchenexperten auf Auto oder Motorroller um – Fahrradfahren, so die vorherrschende Meinung im Land der Mitte, ist nur was für arme Leute.

 

Quelle: Mainpost, dpa