14.10.2013 | In der E-Mobilitätsstadt: Elektrisch radeln zu Forschungszwecken

Fünf städtische Bedienstete fahren ab sofort mit dem Elektrofahrrad zur Arbeit – Akku-Alterung im Fokus

Bild: Stefan Kritzer

Der Schweinfurter Fahrradhersteller Winora ist an einem Forschungsprojekt der Modellstadt für Elektromobilität beteiligt. Mit fünf Pedelecs sind ab sofort fünf Mitarbeiter der Stadt unterwegs, wenn sie zur Arbeit fahren. Erforscht werden soll in den dreijährigen Projekt die Akku-Alterung. Und das in enger Zusammenarbeit mit dem Technologietransferzentrum (TTZ) sowie weiteren Unternehmen und dem Fraunhofer Institut Würzburg.

Jetzt bekommt die Modellstadt Bad Neustadt doch noch ihren Flottenversuch mit Elektrofahrzeugen. Zwar haben die nicht vier, sondern nur zwei Räder. Valerie Bulla, Renate Hemmert, Theresia Scheuplein sowie Maximilian Pfister und Klaus Ullrich verzichten in den Wintermonaten auf die klimatisierte Fahrgastzelle ihres Autos und schwingen sich stattdessen aufs E-Bike. Der Forschung zuliebe.

In der Jakob-Preh-Berufsschule wurden die ersten fünf Elektrofahrräder an die fünf Radler übergeben. Die haben jetzt die Aufgabe, so viele Kilometer wie möglich vorzugsweise auf dem Weg zur Arbeit mit dem neuen Winora-Pedelec zurückzulegen. Ausgestattet sind die E-Bikes mit Smartphones, die allerhand Daten sammeln und diese regelmäßig an das TTZ übermitteln.

Dort wird das Forschungsprojekt in enger Zusammenarbeit mit Winora sowie dem Batteriespezialisten BMZ aus Karlstein und dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg begleitet. Das Hauptaugenmerk bei dem E-Bike-Versuch liegt auf der bislang noch nicht ausführlich erforschten Alterung der Akkus.

„Ein solches Projekt hat es bislang über diesen Zeitrahmen noch nicht gegeben“, sagte Projektmanager Benjamin Hösel von der Firma BMZ bei der Übergabe der Pedelecs. Sven Bernhardt, PR-Manager der Winora Group, stellte die Technik der handelsüblichen Fahrräder des Modells F3 bei der Übergabe im Foyer der Schule vor: Das Pedelec hat einen Mittelmotor mit 250 Watt, der Akku ist in den Gepäckträger integriert.

Der Elektromotor unterstützt die Fahrerin oder den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Wer schneller fahren möchte, muss das mit Muskelkraft erledigen. Zeitgemäß ist das E-Bike mit einer 11-Gang-Nabe ausgestattet und wird mit bissigen Hydraulikbremsen zum Stehen gebracht. Die Winora-Pedelecs mit ihrem auffälligen weiß lackierten Rahmen dürften in Zukunft stets vor dem Rathaus zu finden sein. Und das bei jedem Wetter. Keine leichte Aufgabe für die Test-E-Radler, die aus Bad Neustadt ebenso kommen wie aus Querbachshof, Sondernau und Oberelsbach. „Je nach Belastung wollen wir die Daten sammeln und auswerten“, sagte der Leiter des TTZ, Professor Ansgar Ackva. Dazu haben TTZ-Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Programmierern der FH Würzburg-Schweinfurt ein Zusatzgerät entwickelt, das am Akku befestigt ist. Damit ist die Übermittlung von Daten bezüglich der Akkuleistung an das Smartphone möglich, das die Testradfahrer samt E-Bike erhielten. Über das Smartphone werden die Daten in regelmäßigen Abständen an das TTZ weiter geleitet, wo sie ausgewertet werden.

Dabei geht es um die elektrochemischen Prozesse, die neben der Funktionalität der Batterie auch mögliche Quellen für deren Abnutzung oder deren Ausfall darstellen können. Neben der realitätsnahen Erfassung der Alterungsmechanismen, werden die Batterien und Einzelzellen am Fraunhofer-Institut in Würzburg und am TTZ im Labor getestet und analysiert.

Jana Müller vom Zentrum für angewandte Elektrochemie am Fraunhofer Institut freut sich schon auf die Erkenntnisse, die in den kommenden Jahren mit dem E-Bike-Flotte ermittelt werden. „Durch den Feldversuch haben wir eine große Chance, dass Berufspendler im städtischen Umfeld die Elektromobilität wahrnehmen und nutzen“, so die Forscherin, deren Institut schon bald weitere zwölf E-Bikes für einen ähnlichen Feldversuch rund um Würzburg erhält. Die fünf Testradler rund um das Bad Neustädter Rathaus sollen ab sofort und so oft wie nur irgend möglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Auch bei Regen, Schnee und Wind, eben im wahren Pendleralltag. Für die zweite Bürgermeisterin Anne Zeisner ist das Projekt „endlich mal eine richtige Anwendung“ in der Modellstadt für Elektromobilität. Ein Flottenversuch auf zwei schmalen Reifen. Es müssen ja nicht immer vierrädrige Fahrzeuge sein.

Pedelecs

Anfang 2012 waren bereits über 300 000 Elektrofahrräder – sogenannte Pedelecs (Pedal Electric Cycle) – auf Deutschlands Straßen unterwegs. Der Markt für Pedelecs wächst rasant weiter. Die Frage nach Ausdauer und Alterungsprozess der Batteriepacks von Elektrofahrrädern ist eine der größten Hürden für den Umstieg von verbrennungsmotorisch betriebenen Fortbewegungsmitteln auf solche, die mit elektrischer Energie betrieben werden. Das Ziel des vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie geförderten Forschungsprojekts „PEDElEc – Pendler-eBike Dauertest mit elektrischen und elektrochemischen Untersuchungen“ ist es, diese Unsicherheiten weiter zu erforschen.

 

Quelle: Mainpost, Stefan Kritzer