03.11.2012 |Mein allererstes Mal

Rendezvous mit einem spritzigen Franzosen: Der Renault Kangoo Maxi ZE

All for free. Kostenlos „tanken“, wie hier auf dem Parkplatz Goethestraße, ist schon ein herrliches Gefühl. Foto: Sauer
Erwischt. Der Kangoo kann nicht verheimlichen, dass er mal ein Verbrenner war – sogar die alte Tankklappe für den Sprit ist noch da. Foto: Sauer
Freunde auf Zeit. Eine Woche war ich mit dem Kangoo unterwegs und die Trennung am Schluss fiel mir schwerer als erwartet. Foto: Sauer

Bad Neustadt. Ich gebe zu, ein bisschen aufgeregt bin ich ja schon, ja sogar ein bisschen freudig erregt. Auf dieses Zusammentreffen habe ich lange gewartet. Immerhin ist es mein erstes Mal, mein allererstes Mal – und das mit 42. Nein, nicht was Sie jetzt schon wieder denken. Ich habe zwar wirklich gleich ein Rendezvous – allerdings mit einem Elektroauto und das eben zum allerersten Mal.

Und wie bei anderen Gelegenheiten, hoffe natürlich auch ich beim ersten Mal auf ein rassiges, schnittiges Modell, immerhin, das weiß ich zumindest schon, soll es aus Frankreich kommen. Statt vor einer flotten Französin stehe ich aber dann vor einem Franzosen, und einem äußerst bulligen noch dazu. Allerdings schaut er mich doch durchaus sympathisch mit seinen runden Kulleraugen an – der Renault Kangoo Maxi ZE (ZE steht für Zero Emission = Null Emission) im Autohaus Vorndran. Und dann geht es auch schon los, nach einer kurzen Unterweisung gehen wir gemeinsam auf die Piste.

So habe ich Autofahren noch nie erlebt. Dass ein Elektroauto leise sein dürfte hatte ich mir ja schon gedacht, aber so leise – dass ich nur das Abrollen der Reifen höre... Ich bin von dieser neuen „Erfahrung“ so begeistert, dass ich gar nicht erst auf die Idee komme, das Radio einzuschalten. Viel zu schön ist es zu hören, dass man nichts hört. Und Ablenkung durch Musik brauche ich auch nicht. Da gibt es so viele Infografiken, ist es so spannend zu sehen. Wieviel Strom verbrauche ich gerade? Entlädt oder lädt sich die Batterie gerade? Wieviel Strom „bremse“ ich gerade zurück in die Batterie? Fast schon zu viel der Ablenkung, jetzt wird aber wieder auf die Straße geschaut! 

Trifft sich gut, denn die Ampel vor mir schaltet gerade auf Rot. Sanft gleite ich mit der perfekt dosierbaren Automatik an die Linie heran. Neben mir ein kraftstrotzendes Oberklasse–Modell aus hiesigen Landen, mit dem ich mich mit meinem 60 PS-Kangoo, der ja auch noch so einiges auf die Waage bringt, nicht messen muss. Von wegen, als die Ampel auf Grün schaltet, bin ich mit meinem elektrischen Franzosen dermaßen schnell enteilt – natürlich unter Berücksichtigung der Geschwindigkeitsbeschränkung innerorts – dass meinem Nebenmann nur ungläubige Blicke bleiben. 

Überhaupt Blicke – Blickfang ist man mit dem Elektro-Kangoo immer. Neugierige Blicke, gerade hier in der Modellstadt, neidische Blicke, „oh, den würde ich auch gerne mal ausprobieren“, aber auch erschrockene Blicke, wenn ein Fußgänger mal wieder total überrascht ist, dass ein Auto sich nahezu lautlos genähert hat. Da muss man schon noch ein bisschen defensiver fahren, damit einem keiner vors Auto läuft – oder noch besser, man würde sich innerhalb der EU schnellstmöglichst auf ein Geräusch einigen, das von Elektroautos ausgehen muss. Ich persönlich fände ja irgendetwas wie Schnattern, Quaken oder Grunzen nicht schlecht – da würde man sich doch gleich in frühere, idyllische Zeiten versetzt fühlen. 

Aber zurück in die Neuzeit, ich soll dieses Auto ja testen, also mal ab auf die Autobahn, bei Münnerstadt auf die A 71. Bis Tempo 100 zieht der Kangoo mit den 60 PS erstaunlich gut, danach wird es zäher, die versprochenen 130 km/h schafft er aber. Mitschwimmen auf der Autobahn also problemlos möglich. Der Blick auf die Reichweitenangabe bereitet mir aber Sorgen, denn die Reichweite, die mir mit meiner jetzigen Strommenge noch verbleibt, nimmt im Volllastbetrieb doch rapide ab. Statt bis Mellrichstadt „durchzubrettern“, gehe ich lieber auf Nummer sicher und fahre schon bei Rödelmaier wieder ab. 

Auf dem Nachhauseweg, den ich mit der verbleibenden Reichweite von 40 Kilometern locker schaffe, ziehe ich ein erstes Fazit. Der Kangoo Maxi ZE hat richtig Spaß gemacht. Er ist trotz der zunächst niedrig erscheinenden Motorisierung erstaunlich spritzig, bestens geeignet für Stadt und Landstraße. Sein Ladevolumen ist gewohnt riesig, fünf Personen plus Gepäck eine Leichtigkeit. Auch als Lieferfahrzeug und Handwerkerauto kann ich ihn mir gut vorstellen – allerdings nur für den Nahbereich, denn wie bei derzeit allen rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ist die Batteriekapazität, sprich die Reichweite das Hauptproblem. 

Spätestens nach gut 130 Kilometern will der Kangoo nämlich wieder frischen „Saft“. Und bis er an einer herkömmlichen Steckdose seinen Durst vollends gestillt hat, seine Batterie wieder total aufgeladen ist, vergehen halt doch fast geschlagene acht Stunden. Mir würde die Reichweite des Kangoo aber sicherlich dennoch an 90 Prozent aller Tage reichen. Jetzt aber erst mal ab an die städtische Stromtankstelle auf dem Parkplatz Goethestraße. Chipkarte (die ich mir zuvor kostenlos bei den Stadtwerken ausgeliehen habe) vorgehalten, Stecker rein und schon tanke ich – kostenlos übrigens... und das ist für mich schon wieder ein erstes Mal.

Quelle: Rhön- und Saalepost, Steffen Sauer