13.12.2012 |Mit dem Twizy zum Termin

Zwei Bad Neustädter Firmenchefs sind jetzt im Elektroauto unterwegs

Pioniergeist: Reinhold Rossbach (links) und Matthias Bock sind unter den Ersten, die in ihren Firmen jetzt ein Elektroauto nutzen.

M-E-NES-Manager Sebastian Martin nennt sie „Pioniere“ in Sachen Elektroauto: Matthias Bock und Reinhold Rossbach wollen es aber gar nicht so hochstilisieren, dass sie sich als gestandene Mannsbilder neuerdings in „hautenge“ Mini-Autos zwängen und bei echten Minus-Außentemperaturen ihre Dienstfahrten erledigen. Freilich sind sie gern Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Aber die Kostenersparnis steht für die Firmenchefs natürlich im Vordergrund, denn so ein Mini-Renault verbraucht auf 100 Kilometern etwa Strom für 1,50 Euro.

Im Landkreis Rhön-Grabfeld sind nach jüngsten Erhebungen momentan etwa 50 Elektrofahrzeuge im Einsatz. Rund ein Drittel davon wird privat genutzt, schätzt Martin vorsichtig. Die Leute sind aber sehr interessiert und informieren sich über die Details der stromgespeisten Kleinflitzer, weiß der Diplom-Ingenieur zu berichten. Sogar einige Frauen zeigen sich hier technikverliebt. Eine Hollstädterin pendelt seit kurzem täglich mit dem E-Mobil zur Arbeit in die Saalestadt. Für 2017 weissagt Martin einen Boom in der E-Mobilität. Bis dahin hat der Lithium-Luft-Akku den gängigen Lithium-Ionen-Akku ersetzt, fachsimpelt er. Die neue Batterievariante kann dann fünfmal mehr Energie speichern.

Reinhold Rossbach, Leiter des R & R Pflegedienstes in der Gartenstadt, hat seinen Twizy jetzt vier Wochen lang ausprobiert. Im Winter wird er erst mal Besorgungsfahrten machen. Bei wärmeren Temperaturen stehen auch Pflegetouren auf dem Programm, sagt er. Denn der kleine Öko-Wagen hat keine Heizung und so wird's dann bei Minustemperaturen am Steuer empfindlich kalt. Immerhin liefert Renault das Fahrzeug im Kleinformat nun schon mit Fensterscheiben. Bis vor einem halben Jahr war der Twizy noch allseits offen.

Jetzt kann man das Auto schon fast ganz ohne Zugluft bewegen, sagt Rossbach. Mit ein paar Zentimetern Belüftung am unteren Fensterrand muss man allerdings leben. „Immerhin ist das Fahrzeug nun in gewissem Sinn abschließbar.“ Zehn Autos hat Rossbach in seinem Betrieb laufen. Eigentlich möchte er alle langfristig gegen Strom-Autos eintauschen. Doch da ist nun mal die Sache mit der fehlenden Heizung. „Meine Damen machen bislang noch nicht mit“, sagt er augenzwinkernd.

Seit April ist Matthias Bock, Chef einer Neustädter Glaserei, mit seinem kleinen Renault-Zwei-Sitzer geschäftlich unterwegs. Die winterliche Wetterunbill kann ihn nicht schrecken. Da hat er tatsächlich Pioniergeist: „Es ist alles eine Sache der Organisation“. Ist's kalt, zieht man sich eben warm an und nimmt eine Decke mit, empfiehlt er allen E-Mobil-Fans. Quadratisch, praktisch, gut ist sein Motto, wenn's um Werkzeuge und andere Handwerksutensilien geht. Er hat ein zentimetergenaues Kisten-System ersonnen, das er in seinen Twizy einordnet oder aussortiert. Da ist jeder Zentimeter genutzt.

Dass der Fahr-Strom unterwegs knapp wird, muss E-Mobilisten nicht mehr ängstigen, denn zwischenzeitlich gibt es bayernweit ein relativ dichtes System von Ladesäulen. Rossbach will im Sommer die Probe aufs Exempel machen und mit dem neuen Strom-Mini Zoe, der bis dahin, wie er hofft, auf dem Markt ist, in Urlaub an den Bodensee fahren. Der kleine Franzose hat übrigens auch eine Heizung. Vielleicht heißt's dann auch für die Damen bei R & R „Ende gut, alles gut“.

Quelle: Mainpost