15.05.2014 | Projektmanager ohne Projekte

Vertrag von E-Mobilitäts-Kümmerer Sebastian Martin läuft ab

Die Reise geht weiter: Nach Auslauf seines Vertrags als Projektmanager verlässt Sebastian Martin Bad Neustadt. Foto: Heise

Etwas überraschend kam die Nachricht, dass E-Mobilitäts-Projektmanager Sebastian Martin seine Zelte in Bad Neustadt abbricht. Tatsächlich ist die Ankündigung aber keine harte Nachricht, denn sein Arbeitsvertrag war zeitlich begrenzt und orientierte sich an den Vereinbarungen des Förderprojekts Modellstadt für Elektromobilität. Die Fahrzeugschau, deren Organisation vornehmlich in den Händen von Martin gelegen hat, soll es aber weiter geben.

Auf drei Jahre war die Anstellung bei der Stadt beschränkt, erklärt Martin gegenüber der Main-Post. Seine wichtigste Aufgabe war die Acquise von Einzelprojekten im Rahmen des Gesamtprojekts Modellstadt. Das Gesamtfördervolumen sei jedoch nahezu erschöpft, so dass keine neuen Projekte aufgenommen werden könnten und sich sein Tätigkeitsfeld somit aufgelöst habe.

75 Prozent vom Ministerium

Finanziert wurde die Stelle zu 75 Prozent durch das Wirtschaftsministerium, der Rest durch Stadt und Landkreis, schildert Bürgermeister Bruno Altrichter. Das Wirtschaftsministerium habe zwar auch noch fürs nächste Jahr finanzielle Unterstützung zugesagt, aber Martin habe kein Aufgabengebiet mehr. Innerhalb des Projektmanagements müssten nur noch die laufenden Aufgaben betreut werden, was die Mitarbeiterin Bianca Benkert sowie Ulrich Leber, technischer Leiter der Stadtwerke, und Jörg Geier vom Landratsamt wahrnehmen werden. Auch wenn die Leistungen des Ingenieurs unumstritten seien, wäre eine weitere Beschäftigung der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln.

Gibt es noch die Fahrzeugschau?

Wie es um die Zukunft der Modellstadt nach Auslauf der Förderung bestellt sei, lasse sich nur schwer sagen. Für Altrichter steht fest, dass sich das Technologie Transferzentrum so weit etabliert hat, dass es weiter betrieben wird. Auch die angestoßenen Bildungsprojekte dürften weiterlaufen, ebenso wie die Fahrzeugschau.

Das öffentlich wirksamste Projekt habe so weite Kreise gezogen und so starkes Interesse in der Fachwelt und beim Publikum erzeugt, dass es nicht wegzudenken sei. Wie nach Ausscheiden des Projektmanagers die Organisation vonstatten geht, könne Altrichter zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, da auch der Stadtrat eine Wiederholung erst absegnen muss. Dabei gehe es schließlich um die Kosten, obwohl sich eine weitere Förderung durch das Wirtschaftsministerium andeute. Er gehe aber davon aus, dass auch in Zukunft Bad Neustadt mit einer Fahrzeugschau aufwarten wird.

Was macht Martin?

Wohin indessen die Reise Martins geht, weiß dieser selbst noch nicht. Erst müssen noch die Reste abgearbeitet werden, „dann werde ich entscheiden, wie es weiter geht“.

 

Quelle: Mainpost Eckard Heise

 

 

 

Standpunkt: Auf halbem Weg stehen bleiben?

Der Manager wird der Modellstadt fehlen

 

Auch wenn der Job von Sebastian Martin als Projektmanager der ersten Bayerischen Modellstadt für Elektromobilität auf drei Jahre befristet war, überrascht es doch, dass er gegen Ende des Jahres geht. Offensichtlich hat er die Akquise von Projekten im Rahmen der Modellstadt so gut erledigt, dass praktisch die ganzen dafür bereitstehenden Fördermittel verbraucht sind. Nichts mehr zu tun also für den Projektmanager.

Wirklich nicht? Irgendwie erweckt Martins bevorstehender Abgang aber schon den Eindruck, als ob man in Bad Neustadt in Sachen Elektromobilität auf halbem Weg stehen bliebe. Natürlich ist es nicht der Projektmanager allein, der die Elektromobilität nach vorne bringt. Daran sind viele beteiligt. Aber es braucht einen Kopf, der vorne steht, der Aktivitäten koordiniert. Ob jetzt schon alles von alleine läuft? Ein Selbstläufer dürfte die E-Mobilität noch nicht sein.

 

Quelle: Mainpost Hubert Herbert