30.11.2012 |Spaßmobil für (höchstens) zwei

Twizy von Renault: Das kleine, knuffige und coole Ei zieht die Blicke auf sich

In dem kleinen Franzosen finden sogar zwei Personen Platz. Foto: Hein
Das Fahrverhalten des Twizy erinnert an ein Go-Kart. Foto: Hein

Bad Neustadt. „Was ist denn das für ein heißes Gefährt?“ oder „Soll das mal ein Auto werden?“ sind die typischen Äußerungen anderer Verkehrsteilnehmer, wenn man mit dem Twizy unterwegs ist. Das kleine, knuffige und coole Ei von Renault polarisiert. 

Das auffällige Äußere mit den frei stehenden Rädern und den nach oben öffnenden Flügeltüren, die man ansonsten nur vom legendären Mercedes SL oder irgendwelchen Supersportwagen kennt, zieht unweigerlich die Blicke auf sich. Wer nicht gerne auf sich aufmerksam macht, wird am Twizy keine Freude haben. 

Dabei steht hinter dem Twizy ein ernst zu nehmendes technisches Konzept. Wenn man in ein herkömmliches Auto einfach einen Akku und Elektromotor anstelle von Tank und Verbrennungsmotor steckt, begibt man sich in einen Teufelskreis: Konventionelle Autos sind zu groß und zu schwer, deswegen benötigen sie große und schwere Batterien, um eine akzeptable Reichweite zu garantieren. Die schweren Akkus drücken wieder aufs Gewicht und senken die Reichweite. 

Dass der Twizy zu groß und zu schwer ist, kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Dass neben dem Fahrer auch noch ein Beifahrer in das Fahrzeug passt, traut man dem 2,34 Meter langen und 1,39 Meter breiten Elektromobil nicht zu. Den Beifahrersitz zu entern, ist zwar etwas abenteuerlich, wenn man aber erstmal die Sitzposition hinter dem Fahrer eingenommen hat, ist es jedoch bequemer als gedacht. Platz für Handgepäck oder eine kleine Sporttasche bleibt dann allerdings kaum noch. 

Das Innere des Twizy ist übersichtlich: Lenkrad, Display, zwei Lenkstockhebel für Licht, Blinker, Scheibenwischer und Hupe, zwei Knöpfe für die Wahl der Fahrtrichtung, ein Knopf für die Warnblinkanlage, Handbremse und ein Ablagefach – das war's schon. Die Sicherheitsausstattung umfasst einen Vierpunkt-Gurt für den Fahrer, einen Dreipunkt-Gurt für den Beifahrer sowie einen Airbag. 

Doch hier will ich den Vergleich mit einem konventionellen Auto gar nicht weiterführen. Der Twizy wird übrigens als Quad zugelassen. Die Faszination des Fahrzeugs erschließt sich, wenn man mit ihm in der Stadt unterwegs ist, wo er mit seiner Beschleunigung und Wendigkeit ein flottes Vorankommen im Verkehr erlaubt. Auch die Parkplatzsuche geht mit ihm schnell vonstatten – man findet eigentlich auf Anhieb eine passende Lücke. Und sie erschließt sich, wenn man mit ihm bei schönem Wetter auf Landstraßen unterwegs ist. Die fehlenden Fenster erzeugen fast schon eine Art Cabriofeeling und die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, die auch über längere Zeit gehalten werden kann, erlaubt das Mitschwimmen im Verkehr. Bei einem kühlen Herbstmorgen sind Mütze, Schal und Handschuhe allerdings dringend empfohlen. 

Apropos fehlende Fenster: In der Grundversion ist der Twizy komplett offen, hat zwar ein Dach, aber keine Türen. Die Türen (ohne Fenster) sind als Extra erhältlich. Dass der Twizy über keine Seitenscheiben verfügt, hat zulassungstechnische Gründe. Nach Angaben von Renault müssen Autos mit geschlossenen Fahrgasträumen über eine Lüftung verfügen, damit die Windschutzscheibe bei Feuchtigkeit nicht beschlägt. Jedoch gibt es einen findigen Zulieferer, der Seitenscheiben zum Aufstecken entwickelt hat, die den Fahrer vor Regen schützen, aber trotzdem noch genügend Luft in den Innenraum lassen, dass die Scheiben nicht beschlagen. Definitiv eine sinnvolle Zusatzinvestition, um den Twizy auch in der nassen Jahreszeit einsetzen zu können. 

Bei flotter Fahrweise kommt man mit einer Akkuladung 70 km weit, das Ladekabel ist schnell aus der Frontklappe herausgezogen, aufgetankt werden kann problemlos an jeder Steckdose und nach drei Stunden sind die Batterien wieder voll. 

Der Twizy ist auch in einer Version mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h erhältlich, die man mit dem Führerschein S bereits ab 16 Jahren fahren kann. Der Twizy 45 kostet 6.990 Euro. Der normale Twizy schlägt je nach Ausstattungsvariante mit 7.690 bis 8.490 Euro zu Buche. Die als Zubehör sinnvollen Flügeltüren kosten weitere 590 Euro. Zudem sind für die Batteriemiete je nach Laufleistung noch 50 bis 72 Euro monatlich fällig. Dies klingt zuerst viel, aber bei Energiekosten von lediglich etwa 2 Euro auf 100 Kilometern ist gegenüber dem Verbrenner schnell ein Vorteil erwirtschaftet. 

Der Twizy ist ein Spaßmobil. Bei unserem Elektromobil-Test war er bei den Mitarbeitern unseres Verlages das begehrteste Auto, jeder wollte ihn einmal fahren und kam mit leuchtenden Augen von der Probefahrt zurück. Für Großstädte und Ballungsräume, aber auch für wetterfeste Kurzstreckenpendler ist er ein ideales Fortbewegungsmittel. Ein Fahrverhalten, das an ein Go-Kart erinnert, lässt auch Nachteile wie die fehlende Heizung, die geringen Zulademöglichkeiten und die harte Federung verzeihen. Bei mir zumindest überwog die Wehmut, als ich nach zwei Tagen und 160 Kilometern, die ich mich ausschließlich mit dem kleinen Franzosen motorisiert fortbewegte, die Schlüssel zurückgeben.

 

Technische Daten 

Maximale Leistung 13 kW (18 PS) 

Max. Drehmoment 57 Nm 

Höchstgeschwindigkeit 80 km/h 

Beschleunigung 0 - 100 11,9 sek 

Reichweite nominell 100 km 

Reichweite im Test 70 km 

Stromverbraucher (kWh/100km) 6,3 

Leergewicht 562 kg 

Grundpreis 7.690 Euro 

zzgl. Batteriemiete ca. 50 Euro 

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Wolfgang Markert