12.09.2013 | Stromer wollen von der Kriechspur

Auf der IAA in Frankfurt zeigen deutsche Hersteller ihre ersten Elektroautos für die Serienproduktion

Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Ist das die korrekte Beschreibung der momentanen Situation der Elektromobilität in Deutschland? Erinnern wir uns: Vor nicht allzu langer Zeit gab Kanzlerin Angela Merkel das Ziel vor – eine Million E-Automobile sollten bis 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Bei den Internationalen Automobil-Ausstellungen in Frankfurt 2009 und 2011 gab sich die Automobilindustrie recht optimistisch, Branchenkenner eher skeptisch.

Die Realität: Seit Januar dieses Jahres wurden hierzulande gerade mal knapp 3000 Stromer zugelassen. Bei diesem Zulassungstempo wäre das Merkelsche Ziel also in etwa 250 Jahren erreicht. Die Gründe für die mangelnde Akzeptanz: Hohe Anschaffungskosten (zumindest bei den großen Herstellern), begrenzte Reichweite, meist geringe Kofferraumgröße und unzureichende Versorgung mit Ladestationen.

Dennoch: Auf der IAA 2013, die ab Donnerstag ihre Tore in Frankfurt für das Publikum öffnet, sind die Stromer wieder ein großes Thema – gerade weil die deutschen Hersteller bis 2014 mit einigen Elektroautomodellen auf einem Markt bestehen wollen, auf dem sich andere Autobauer schon länger tummeln. Beispiele sind der e-Up und der e-Golf von Volkswagen oder der i3 von BMW – fast schon so etwas wie Stars auf der IAA. Wie groß die Preisunterschiede sind, zeigt sich beispielsweise am VW Up: die e-Version soll etwa 27 000 Euro kosten, während das Basismodell des Kleinstwagens für 9975 Euro zu haben ist. Der Stromer von BMW bringt es in der Einstiegsvariante gar auf knapp 35 000 Euro.

Eine Menge Holz für kleine Autos – und dafür muss man schon viele Kilometer elektrisch runterreißen, um gegenüber einem Verbrennungsmotor in die Gewinnzone zu kommen. Rein rechnerisch müsste man – nur die Spritkosten gerechnet – weit über 100 000 Kilometer fahren, bis der e-Up seinen höheren Kaufpreis hereinholt. Beim Thema Reichweite geben die Hersteller meist um die 150 Kilometer für ein E-Auto mit voll geladenem Akku-Paket an. Für den täglichen Pendelverkehr sei das völlig ausreichend, meint Alexander Böhm vom Bundesverband eMobilität. Aber eine Urlaubsreise ist mit den bestehenden Reichweiten kaum drin.

Deswegen gehen die Hersteller andere Wege, um den Erwerb eines E-Mobils schmackhaft zu machen. Renault will den Kauf seines Zoe mit einem zehnprozentigen Rabatt bei zwei Autoverleihern versüßen. Will sagen: Wer eine längere Reise plant, die er mit dem Zoe nicht machen will, kann sich einen Wagen leihen und spart zehn Prozent des Mietpreises. BMW wird laut Pressesprecher Cypselus von Frankenberg Käufern des i3 gegen einen Aufpreis für eine bestimmte Anzahl von Tagen pro Jahr einen Wagen mit Verbrennungsmotor zur Verfügung stellen.

Und die Ladestationen? Da lässt die Infrastruktur bisher zu wünschen übrig. Laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer stockt der Ausbau der öffentlichen Ladesäulen. Wer auf dem Land im Haus samt Garage lebt, kann sein E-Auto problemlos an die Steckdose hängen. Aber bei einer Wohnung in der Stadt im fünften Stock? Zumindest schwierig. Beklagt wird auch, dass es in Deutschland keine staatlichen Subventionen – beispielsweise als Steuernachlass – für Stromer gibt. Da sind andere Länder weiter. Dudenhöffer ist sich sicher, dass die E-Autos in Deutschland nicht in Fahrt kommen, wenn die Politik keine Anreize schafft. Daneben wären laut dem Autoexperten Carsharing-Systeme mit Elektroautos in Großstädten wichtig, die die Skepsis der Autofahrer überwinden helfen könnten.

Aber die vielen Hersteller auf der IAA haben auch energiesparende Alternativen zu den reinen Elektrofahrzeugen im Programm: die Hybridwagen, die mit Verbrennungs- und E-Motor unterwegs sind. So etwas wie ein Vorreiter ist der japanische Autobauer Toyota. In seiner Luxusmarke Lexus bietet der Konzern für jede Baureihe ein Hybridmodell an.

Unterstützt wird dieser Ansatz durch das Toyota Plug-In-Konzept, das ein Aufladen verschiedener Modelle an der Steckdose ermöglicht. Den gleichen Weg gehen Mercedes mit dem S 500 Plug-In, Audi mit dem A3 e-tron, Opel mit seinem Ampera und Volvo mit dem V60 Plug-In-Hybrid. Die Hybrid-Plug-In-Technologie machen sich auch Sportwagenhersteller zunutze: Porsche zeigt auf der IAA den Panamera sowie seinen 918 Spyder mit E-Motoren.

Quelle: Mainpost, Harald Korb mit Informationen von dpa