08.05.2014 | Unter Strom – und doch entspannt

E-Mobilisten loben Alltagstauglichkeit der Autos und wünschen sich mehr Ladestationen

Überzeugter Elektromobilist: Projektmanager Sebastian Martin. Foto: Petzold

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass auch die vierte Fahrzeugschau Elektromobilität am Wochenende – erträgliches Wetter vorausgesetzt – zum Besuchermagneten wird. Die Faszination Auto trifft hier auf innovative Technik, der allerdings der Ruf vorauseilt, noch nicht ausgereift und zudem sehr teuer zu sein. Stellt sich also die Frage nach der Alltagstauglichkeit der Elektromobile.

Das Gefühl, die abgasfreien Autos führen noch immer ein Nischendasein, täuscht angesichts der Zulassungszahlen nicht. Im Landkreis Rhön-Grabfeld sind 56 Autos mit Elektromotor im Einsatz, davon 32 in der Elektromobilitäts-Modellstadt Bad Neustadt. Zum Vergleich: Ende vergangenen Jahres waren im Landkreis über 77 000 Fahrzeuge mit herkömmlichen Antrieb angemeldet.

Wer allerdings ein Elektroauto fährt, der zeigt sich begeistert. So wie Textileinzelhändler Bernhard Bocks, der seit Juni 2013 mit seinem Renault Zoe bereits 20 000 Kilometer zurückgelegt hat. „Das ist ein viel entspannteres Fahren“, schwärmt der überzeugte Elektromobilist von dem Kleinwagen, mit dem er bei einigermaßen „normaler“ Fahrweise gut 140 Kilometer weit kommt, ohne nachzutanken. Und hier liegt auch schon ein Haar in der Suppe. „Es gibt viel zu wenig Tankstellen unterwegs“, kritisiert er. Das sei in anderen Ländern, wie Norwegen, deutlich besser. Auch in Bad Neustadt wünscht er sich mehr Steckdosen an der Zapfsäule.

In Sachen Aufladegeschwindigkeit tut sich einiges. Braucht man an der Zapfsäule der Stadt am Busbahnhof gut zwei Stunden für eine Tankfüllung, so steht auf dem Gelände von Auto-Vorndran eine Anlage, die das gleiche in 30 Minuten schafft.

„Wir sind der erste Pflegedienst in Bayern, der so unterwegs ist“, sagt Reinhold Rossbach mit Blick auf seine „Flotte“, die aus zwei Renault Zoe und dem Ein-Personen-Vehikel Twizy besteht. Die eigene Fotovoltaikanlage sorgt dafür, dass die Autos komplett „mit Sonne laufen“. Mit der Alltagstauglichkeit hat Rossbach in den vergangenen zwei Jahren durchweg positive Erfahrungen gemacht. Für die Bedürfnisse des Pflegedienstes reiche die Ladekapazität der Batterie auf jeden Fall aus. Kritisch merkt er an, dass die Fördergelder in Bayern nur in die Forschung fließen würden. Im Nachbarland Thüringen dagegen gäbe es Zuschüsse bei Anschaffungen von Elektroautos für Gewerbetreibende.

Nicht mehr auf seinen Opel Ampera verzichten möchte Modellstadt-Projektmanager Sebastian Martin. Der Antrieb seines Dienstwagens funktioniert nach einem Prinzip, das sich Range Extender nennt. Der Wagen ist mit Elektro- und Benzinmotor ausgerüstet, der anspringt, wenn die Batteriefüllung zur Neige geht. Dabei funktioniert er wie ein Generator, der durch die Kraftstoffverbrennung Strom erzeugt. Überzeugend sind für Martin neben dem Fahrkomfort auch finanzielle Aspekte. Zehn Jahre Steuerfreiheit, günstigere Versicherungsprämien und Stromkosten von 3,50 bis fünf Euro pro 100 Kilometer würden die teuere Anschaffung eines Elektroautos überlegenswert machen.

Es geht aber noch billiger: Und dies nicht nur zur Fahrzeugschau am Wochenende, wenn rund 20 Zapfsäulen kostenlos zur Verfügung stehen. Auch zu normalen Zeiten darf man an den beiden Bad Neustädter Stromtankstellen am Busbahnhof und bei den Stadtwerken zum Nulltarif zapfen. E-Bike-Besitzer kommen nicht ganz so billig davon. Im Pavillon am Busbahnhof kostet das Aufladen 50 Cent pro Stunde.

Fahrzeugschau Elektromobilität

Das Programm startet am Freitag, 9. Mai, um 18 Uhr mit einer Podiumsdiskussion in der Stadthalle zum Thema „Elektromobilität – massentauglich und alltagsfähig?“ Ehrengast ist Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer. Am Samstag, 10. Mai, wird die Fahrzeugschau um 10 Uhr von Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Bruno Altrichter auf dem Festplatz eröffnet. Bis 18 Uhr ist die Ausstellung von E-Bikes, und E-Fahrzeugen, den neuesten High-Tech-Entwicklungen und Elektrofahrzeugen der Zukunft sowie Ladeinfrastruktur geöffnet. An beiden Tagen sind sind kostenlose Probefahrten möglich und werden jeweils um 12, 14 und 16 Uhr geführte E-Bike-Touren angeboten. Für die Musik sorgen am, Samstag ab 10 Uhr das Boah Blasorchester aus Heustreu, ab 15 Uhr die Dead Horse Big Band. Am Sonntag ist die Ausstellung von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Um 10 Uhr gibt es einen Frühschoppen mit der Mühlbachtaler Kapelle, ab 14 Uhr spielen die Original Solzbachtaler. Ganztägig ist eine EMX-Bike-Stunt-Show zu sehen. Für jüngere Besucher gibt es eine Hüpfburg, Elektromotorräder und einen Autoscooter.