04.09.2014 | Wie löscht man ein Elektroauto?

04.09.2014 | Erste Schulungen für Neuschter Feuerwehr nach neuem Konzept mit Pilotcharakter

Geht es nach dem Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dann fahren bis zum Jahre 2020 auf bundesdeutschen Straßen eine Million Autos mit Elektroantrieb. Eine Größe, die sich positiv auf die Umweltbelastung auswirken kann, dafür aber auch andere Probleme aufwirft. Etwa die Frage, wie mit einem in Brand geratenen Elektroauto umzugehen ist. Ein Thema, für das die Elektromobilitätsstadt Bad Neustadt geradezu prädestiniert scheint. Unter Federführung des Bayerischen Bildungswerks (bbw) ist ein Konzept erarbeitet worden, nach dem Feuerwehrleute für diese Einsätze vorbereitet werden sollen.

Kurs über drei Tage

Die erste Schulung läuft über drei Tage und startet am Samstag, 8. November, mit einem Grundlehrgang. Ausbildungsort ist die Berufsschule mit ihrer Kfz-Werkstatt und dem Labor für Elektromobilität und Elektronik. Weitere Termine sind der 15. und der 22. November.

Zum letzten Termin sollen dann die theoretischen Erkenntnisse im Laufe von drei Übungen in der Praxis angewendet werden. Im einzelnen geht es um die Bergung eines Elektromobils aus dem Wasser, die Brandbekämpfung und die Abwehr chemischer Gefahren. Zum Einsatz kommen für diese Zwecke präparierte Schrottautos, wie bbw-Mitarbeiterin Mira Bernhardt im Gespräch mit der Main-Post verrät. Maximal 20 Personen können teilnehmen, insgesamt sollen 115 Feuerwehrler geschult werden. Die Lehrgänge werden, wie andere auch, über den Kreisfeuerwehrverband ausgeschrieben. Die einzelnen Wehren melden dann die Teilnehmer zurück. „Der Lehrgang wendet sich vorrangig an Feuerwehren, die technische Hilfe leisten“, betont Bad Neustadts Kreisbrandrat Stefan Schmöger.

Künftige Ausbildungsgänge sollen allerdings, was die Theorie betrifft, zeitlich gestrafft werden. „Wir wollen die Feuerwehrleute nicht über Gebühr in ihrer Freizeit belasten“, sagt Mira Bernhardt. Deshalb wird die bbw-Lernsystemberaterin Simone Deschler den ersten Kurs beobachten, um festzustellen, welche Inhalte auch für die elektronische Vermittlung geeignet sind. Auf diese Weise, E-Learning genannt, könnten Kursteilnehmer sich schon vorab zu Hause am Computer informieren.

Herantasten ans Thema

„Es gibt für diese Zielgruppe keine Beispiele“, betont Mira Bernhart den Pilotcharakter des Schulungskonzepts, an dem auch die ehemaligen Berufsschulleiter Klaus Saar und Gerhard Krug beteiligt sind. „Das ist ein relativ neues Thema, an das man sich herantasten muss“, bestätigt Michael Reitzenstein von der staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg, die ebenfalls an dem Konzept mitarbeitet. Der gleichen Ansicht ist auch Kreisbrandrat Schmöger. „Man muss sehen, was passt und Inhalte eventuell auch korrigieren.“

In den Schulungen sollen unter anderem Erkennungsmerkmale reiner Elektrofahrzeuge aufgezeigt werden. Dazu kann Mira Bernhardt auf die Hilfe von Autohändlern bauen, die Elektrofahrzeuge zu Schulungszwecken zur Verfügung stellen. Da geht es auch darum, „wo genau der Stecker gezogen werden muss“, sagt die bbw-Seniorberaterin. Daneben geht es um grundsätzliche Gefahrenquellen bei Elektromobilen, Gefährdungsbeurteilungen oder Vorgehensweisen. Am Ende steht dann ein Abschlusstest.

Weitere Details zur Ausbildung gibt es bei bei einem Informationsabend am Dienstag, 9. September, von 17 bis 19 Uhr in der Bad Neustädter Feuerwache.

 

Quelle: Mainpost, old