Strom nicht mehr gratis

Foto: Stefan Kritzer

Vor eineinhalb Jahren hatten die Stadtwerke beschlossen, Strom für Elektroautos an den Ladesäulen nicht mehr kostenlos abzugeben. Für eine Übergangszeit war der Förderverein M-E-NES (Modellstadt Elektromobilität Bad Neustadt) eingesprungen, und hat die erste Ladestunde an der Ladesäule kostenmäßig übernommen. Weil aber immer mehr Elektroautos unterwegs sind, kann der Verein diese Serviceleistung nicht mehr bezahlen. Ab 1. August muss nun an allen städtischen Ladesäulen ein vergleichsweise niedriger Betrag fürs Stromtanken bezahlt werden.

Als vor acht Jahren die erste Ladesäule in Bad Neustadt in Betrieb genommen wurde, kam im Schnitt ein Elektroauto im Monat zum Laden vorbei. Heute ist das anders. Die Säulen, vor allem die Schnellladesäule auf dem Parkplatz am Busbahnhof ist ständig frequentiert. Um der Verbreitung von Elektroautos auf die Sprünge zu helfen, sollte der Strom zum Aufladen der Batterie so lange wie möglich kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt sah sich zu Beginn des vergangenen Jahres dazu nicht mehr bereit. Seit Anfang 2017 unterstützte deshalb der Förderverein M-E-NES dieses Bestreben mit der Übernahme der Kosten für die erste Ladestunde in einem komplizierten Abrechnungsverfahren. Doch damit ist ab 1. August Schluss.

„Es gibt immer mehr Elektrofahrzeuge in der Stadt“, sagt Ulrich Leber, Geschäftsführer der Stadtwerke und Beisitzer im Förderverein. Der Verein M-E-NES hatte wie schon im Vorjahr 5.000 Euro jährlich zur Deckung dieser Stromkosten bereit gehalten. Diese sind 2017 aufgebraucht worden und sind im laufenden Jahr bereits jetzt ausgegeben. „Wir können das nicht länger auf Vereinskosten machen, wir wollen ja noch andere Projekte fördern“, so Leber. „Als Nutzungsanreiz ist die Subventionierung des Ladestroms auch nicht mehr notwendig.“

Die Besitzer von Elektroautos müssen also künftig für den Ladevorgang zahlen, wobei die Stadtwerke die Kosten hierfür bewusst niedrig kalkulieren. An der Schnellladesäule kostet ein Ladevorgang 3,50 Euro, an den 22 oder 11 KW/h-Ladesäulen 2 oder 1 Euro je angefangene Stunde. Für Joachim Wagner, 3. Vorsitzenden des Fördervereins, sind diese Kosten vertretbar: „Das bewegt sich im Rahmen der Stromkosten“, so Wagner. „Von einer Refinanzierung der Ladesäule kann bei diesen Preisen aber keine Rede sein.“ Das Bezahlen des Ladevorgangs soll zudem die „Ladeweile“ an den Stationen verringern. Vorbei also die Zeiten, als man das E-Fahrzeug noch an der Ladestation anschloss und einen halben Tag später kostenfrei wieder abholen konnte.

Die Schnellladesäule auf dem Parkplatz am Busbahnhof wird zudem roamingfähig. Das bedeutet, dass dort schon bald via App die Stromrechnung beglichen werden kann. Das kostenpflichtige Laden betrifft ab 1. August die Ladesäulen der Stadtwerke. Private Ladesäulen unterliegen anderen Regelungen und sind weiterhin zum Teil kostenfrei. Allerdings bahnen sich auch hier Änderungen in Hinblick auf Bezahlsysteme für die Stromladung an.

 

Quelle: Rhön- und Saalepost, Stefan Kritzer